WWE 2K15:Der große Nachtest

Nachdem der ehemalige Publisher THQ Anfang 2013 in Konkurs ging, machte es sich 2K Games zur Aufgabe, die jährlich erscheinende WWE-Spieleserie wieder auf Vordermann zu bringen und übernahm das Ruder eines vermeintlich sinkenden Schiffes.
Während in WWE 2K14 nicht viel mehr als der Name des Spiels vom neuen Publisher stammte, blickten im vergangenen Herbst alle Fans der Serie auf die Veröffentlichung des ersten Titels, für den sich 2K Games vollständig verantwortlich zeichnete – WWE 2K15.
Entgegen vieler Hoffnungen verlief der Start – formulieren wir es vorsichtig – eher bescheiden. Ob von alteingesessenen Fans oder von renommierten Spielezeitschriften, überallher hagelte es harsche Kritik und es gab kaum einen, der wirklich zufrieden mit dem Produkt war. Gestrichene Matcharten, die Entfernung und Verkleinerung diverser Creation-Modi, schwerwiegende Bugs (Spielfehler) und, nicht zu vergessen, zu hohe Erwartungen waren nur einige Gründe für die negativen Bewertungen.

Doch all diese Diskussionen liegen nun knapp fünf Monate hinter uns und jetzt, wo alle herunterladbaren Inhalte (DLC‘s) zum Spiel erschienen sind und mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Updates mehr erscheinen werden, möchte ich all meine bisherigen Erfahrungen mit WWE 2K15 Revue passieren lassen und mir eine endgültige Meinung dazu bilden.
 

Die Informationspolitik

Beginnen möchte dieses Fazit, das vorrangig meine subjektive Meinung widerspiegelt, mit einem Thema, das zwar nicht direkt etwas mit dem Spiel zu tun hat, aber auch mit einbezogen werden muss und speziell vor dem Release von WWE 2K15 stark kritisiert wurde – die Rede ist natürlich von der Informationspolitik seitens 2K Games.
Der Publisher, der auch für NBA 2K-Serie zuständig ist, ist schon seit jeher dafür bekannt, vor dem Release nicht allzu viel über seine Spiele zu verraten. Einen neuen Höhepunkt dieser „Werbestrategie“ erreichte die Präsentation von WWE 2K15. Während man auf der E3, der größten Spiele-Messe Nordamerikas, den Release-Termin, die Bestätigung für die Current Gen-Konsolen (PS4/XB1) und die ersten bestätigten Charaktere zu sehen bekam, wurde es dann für einige Zeit ruhig um das Spiel. 2K Games hielt es nicht für nötig, ihre potentiellen Kunden – und das sind wir Spieler nun einmal – über den neu erscheinenden Teil der WWE 2K-Serie zu informieren und hüllte sich in Schweigen.
Erst im Zuge der GamesCom, die im August stattfand, tauchte erstes InGame-Material auf – und das stammte zumeist nicht vom Publisher selbst, sondern war mit dem Smartphone aufgenommenes Videomaterial, das von Besuchern der Messe ins World Wide Web hochgeladen wurde.
In der Folgezeit hörte man zwar mehr von 2K, doch diese Neuigkeiten waren häufig negativer Natur: das Release-Datum für PS4 und Xbox One wurde nach hinten verlegt, Spielmodi wurden gestrichen und die Inhalte Creation Suite wurden empfindlich gekürzt. Auch nach dem Release des Hauptspiels machte sich 2K keine Freunde, indem man sich auch in Sachen DLC-Plan bedeckt hielt. Herunterladbare Inhalte erhielten im Vornhinein keinen klaren Veröffentlichungstermin und wurden oft erst wenige Tage ihrem Release angekündigt.
Wenn ich diese Werbestrategie jetzt, mehrere Monate nach dem Erscheinen von WWE 2K15 betrachte, bin ich immer noch enttäuscht und fast schon sprachlos, was uns 2K hier zugemutet hat. Für die kommenden Jahre wünsche ich mir, dass der Publisher aus diesen fatalen Fehlern lernt und seine Strategie entscheidend verbessert, ansonsten muss man damit rechnen, dass sich viele Fans der Serie abwenden.

 

Die Grafik

Der nächste Punkt, den ich ansprechen möchte, ist der für mich am schwersten zu behandelnde, da es hier kaum möglich ist, sich eine klare Meinung zu bilden.
Im Vorfeld hörte man von allen Seiten, dass es das am besten aussehendste Wrestling-Game aller Zeiten werde und man ein neues Zeitalter im Bereich Grafik erreichen würde. Und kurz gesagt, genau so ist es auf den Current Gen-Konsolen (PS4/XB1) auch gekommen. Aufgrund der besseren Möglichkeiten, die die „neuen“ Konsolen bieten, war es für das Entwicklungsteam ein absolutes Muss, an der Darstellung des Spieles zu arbeiten und genau das wurde auch getan.
Ja, es wurde ein Schritt in die richtige Richtung gemacht, aber meiner Ansicht nach wäre es möglich gewesen, noch viel mehr herauszuholen! Das beste Beispiel bietet hier das ebenfalls von 2K repräsentierte Spiel NBA 2K15, das das grafische Aushängeschild in Sachen Sportspiele ist. Im Gegensatz dazu erscheint WWE 2K15 bei manchen Gesichtstexturen, Kleidungsstücken und besonders bei der Kopf- und Gesichtsbehaarung nicht wirklich konkurrenzfähig.
Ein weiteres Defizit stellt die Tatsache dar, dass man bei vielen Übergängen den Eindruck hat, dass Animationen aus den Old Gen-Versionen mit neuen Bewegungsabläufen aus der Current Gen „vermischt“ wurden und so ein flüssiger Ablauf eines Matches nicht gewährleistet ist.
Zusammenfassend ist die Grafik von WWE 2K15 sowohl ein Plus-, als auch ein Minuspunkt des Games. Grundsätzlich hat man es geschafft, das Spiel grafisch gesehen zu verbessern, zugleich hat man es aber verabsäumt, einen größeren Sprung nach vorne zu machen, obwohl dieser alles andere als unmöglich gewesen wäre.

 

Das Gameplay

Egal wie gut durchdacht die PR-Strategie ist, egal was die Grafik hermacht und unabhängig, wie teuer oder billig ein Spiel ist, im Endeffekt zählt für viele nur eines – das Gameplay. Und genau das ist der entscheidende Grund, warum ich WWE 2K15 auch noch nach knapp einem halben Jahr Spielzeit immer wieder gerne in mein Laufwerk einlege und meine virtuellen Gegner verprügle.
Nachdem die Entwickler in den vergangenen Jahren mehr Wert auf schnelle, unkomplizierte und dadurch bedingt auch eher unrealistische Action legten, wagte man in diesem Jahr einem Schritt in die andere Richtung und spezialisierte sich auf ein sehr simulationslastiges Gameplay. Der Ablauf der Matches wurde deutlich realistischer gestaltet, indem man das Tempo verringert hat und die Akteure nun so darstellt, wie sie wirklich sind – und zwar muskelbepackte und in den meisten Fällen über 100 Kilogramm schwere Athleten, die nicht ununterbrochen durch den Ring springen können.
Auch wurde ein sehr ordentliches Ausdauersystem eingebaut – je länger ein Match dauert, desto mehr lassen die Kräfte der Akteure nach, und das merkt man auch: Nach einem langen und intensiven Schlagabtausch schaffen es die Wrestler nach einem Finisher oft erst nach einiger Zeit, selbst wieder auf die Beine zu kommen und den Gegner mit letzter Kraft zu pinnen.
Meine Meinung zum Gameplay von WWE 2K15 ist, dass es DER Pluspunkt dieses Spieles ist. Es läuft zwar noch auf der gleichen (alten) Engine wie in der Vergangenheit, aber die getätigten Änderungen waren revolutionär und die über die letzten Monate veröffentlichten Updates steigerten den Spielspaß stetig! Mit dem ebenfalls neu eingeführten Kettenwrestling-System kommt das Spiel einer realitätsgetreuen Simulation so nahe wie nie zuvor – und genau das sollte auch der Anspruch des Entwicklungsteams sein. Auch wenn es einige Fans der Serie gibt, die (noch?) nicht vom neuen Gameplay überzeugt sind, sehe ich WWE 2K15 in dieser Hinsicht als Aushängeschild in der Wrestlingspiele-Historie an!

 

Die Spielmodi

Als 2K Games sagte, es werde das vielfältigste und abwechslungsreichste WWE-Spiel aller Zeiten, lehnte sich der Publisher ziemlich weit aus dem Fenster – und hatte, nüchtern betrachtet, mit dieser Aussage schlicht und einfach nicht recht.
Beginnen wir gleich mit dem als so gut angepriesenen Karriere-Modus. Man startet im NXT Performance Center, in dem man gegen grauenhaft aussehende CAWs antreten muss und so für die TV-Shows vorbereitet wird. In der Folgezeit durchlebt man die Karriere eines Superstars, der alle Shows durchläuft, dabei einige wenige Fehden mit anderen hat und für den der GM meist „keine Ideen“ hat, ehe er den WWE World Heavyweight Titel holt und dann, als wäre man nicht schon genug enttäuscht worden, einfach seine Karriere beendet. Kurzes Fazit zu diesem Modus: Nicht Genügend!
Fahren wir fort mit dem 2K-Showcase Mode, in dem man reale Fehden nachspielen und noch einmal Revue passieren lassen kann. Dieser Modus ist für diejenigen, die das simple Nachspielen von Ereignissen gerne mögen, sicher sehr gut gelungen, jedoch bleiben viele Fans hier auf der Strecke. Fakt ist ebenfalls, dass die Showcase Fehden, die bereits mit dem Spiel mitgeliefert wurden, die mit Abstand längsten und umfangreichsten sind. Die herunterladbaren, kostenpflichtigen DLC-Showcase Fehden hinken in dieser Hinsicht doch etwas hinterher, da sie relativ kurz sind und auch nicht immer dieses „Mittendrin-Gefühl“ vermitteln, dass es z. B. bei der Shawn Michaels vs Triple-Fehde gibt.
Insgesamt hat 2K mit diesem Modus gute Arbeit geleistet. Die Frage ist nur, ob die damit angesprochene Zielgruppe wirklich die Mehrheit darstellt, oder ob der Modus von (zu) vielen als Fehltritt gesehen wird.
Weiter geht’s mit dem Universe Mode, oder wie er in deutschen Fassung genannt wird – Welt Modus. Mit den neu hinzugekommenen Rivalitäten ist man einen Schritt in die richtige Richtung gegangen. Zwar ist es nach wie vor nicht möglich, Handicap- oder Stable-Fehden zu erstellen, aber im Ansatz zeigt der Rivalitätsmanager schon in Ansetzen, was wir in den nächsten Jahren (hoffentlich) noch erwarten können. Ansonsten gab es wenige Neuerungen, insgesamt ist der Modus nach wie vor der einzige, der wirklich Langzeitspaß bringt. 2K hat hier nicht viel verändert – und das, was verändert wurde, hat gepasst. Gute Arbeit, bitte mehr davon!
Dann gäbe es da noch den Online Modus … und dieser ist in allen Punkten inakzeptabel! Besonders die Server, die mittlerweile eigentlich bei jedem neuerem Spiel zumindest halbwegs gut funktionieren, sind bei WWE 2K15 anscheinend besonders anfällig für Ausfälle und das Onlinespielen wird oftmals zur Qual. Generell hinkt man in diesem Bereich meiner Meinung nach meilenweit hinter der heutigen Zeit hinterher und es ist keine Besserung in Sicht. Wo FIFA 15 mit dem Ultimate Team punktet und GTA V mit seinem Onlinedienst eine virtuelle Parallelwelt schafft, gibt es bei WWE 2K15 lediglich das „Standardprogramm“. So kann es auf lange Sicht gesehen nicht weiter gehen!

 

Der Umfang (Matcharten, Creation-Suite, Roster)

Die WWE-Spiele waren immer bekannt dafür, extrem viel Content zu enthalten und besonders auf der kreativen Ebene eine Klasse für sich zu sein, doch in diesem Jahr wurden besonders auf den Current-Gen Versionen einige drastische Abstriche gemacht.
War es noch im letzten Jahr mit dem Match-Editor möglich, die Stipulation seiner Wahl zu kreieren, so ist es in WWE 2K15 leider nicht einmal mehr möglich, ein 1 on 1 Ladder Match zu bestreiten. Ebenfalls ärgerlich ist die Tatsache, dass Matcharten wie z. B. das Sargmatch zwar im Zuge des Showcase-Modes gespielt werden können, aber im normalen Spiel nicht enthalten sind.
Für den folgenden Teil gilt es, die gestrichenen Matcharten wieder stärker denn je zurückzubringen und auch neue Dinge wie einen Backstagebrawl in frei bewegbarem Areal zu veröffentlichen!
Nun komme ich zu dem Bereich, der der eingefleischten Community wohl am meisten am Herz liegt – und zwar die Creation-Suite. Wer sich vor dem Release von WWE 2K15 nicht nach den Features erkundigt hat, wird nicht schlecht gestaunt haben, als Dinge wie der Create-an-Arena- und der Create-a-Diva-Modus oder die Importfunktion für MP3-Medien nicht mehr im Spiel waren. Ebenfalls traf die Nachricht, es seien inklusive alternativer Attires nur maximal 30 Slots für CAWs verfügbar, viele Fans schwer. Entgegen der Hoffnung vieler wurde in dieser Hinsicht auch nach dem Release mehr gemacht und es gab keine Updates, die die Creation-Suite betrafen.
Das einzig Positive ist das Superstar Studio, das zwar im Umfang noch zu klein ist, aber ein guter und erweiterbarer Ausgangspunkt für die kommenden Spiele der Serie ist.
Um mit etwas erfreulicherem aufhören zu können, habe ich mich entschieden den Roster ans Ende meines Tests zu setzen. Mit Sami Zayn, Adrian Neville, Emma, The Ascension und noch einigen weiteren Charakteren haben es endlich auch Talente von NXT ins Spiel gemacht. Diese stehen neben einem akzeptablen Roster der aktuellen WWE und einer guten Auswahl von Legenden. Alles in allem kann man dieses Jahr sagen, dass es 2K geschafft hat, von allem etwas ins Spiel zu bringen und so eine Vielzahl der Fans zufriedenzustellen. Besonders dank der Inhalte Showcase-Fehden, die man nachträglich erwerben konnte, wurde das Roster noch einmal entscheidend aufgewertet.
Zusammenfassend lässt sich hier sagen, dass der Inhalt des Spiels insgesamt zu drastisch gekürzt wurde. Dieser Cut, den Fans der FIFA-Reihe bspw. auch von deren erstem Spiel auf der neuen Konsole kennen sollten, wurde sicher nicht grundlos vollzogen und nun bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass der Inhalt in den Folgejahren wieder größer und qualitativ besser zurückkehrt.

 

Fazit

Alles in allem bin ich der Meinung, dass es 2K Games geschafft hat, trotz aller Probleme ein mittlerweile relativ fehlerloses Spiel zu veröffentlichen, das auch knapp ein halbes Jahr nach seiner Erscheinung immer noch regelmäßig Spaß macht.
Ich durchaus meine Zeit gebraucht, um mich vollkommen vom Spiel überzeugen zu lassen und habe das auch geschafft. Nach mehreren Updates, die das Spielgefühl verbesserten und Bugs fixten, lässt sich WWE 2K15 flüssig spielen und ist für jeden Wrestlingfan, der zudem etwas für Videospiele übrig hat, eine Kaufempfehlung!
Schafft es das Entwicklungsteam nun, auf das diesjährige Spiel aufzubauen, gestrichene Dinge wieder zurückzubringen und neue Inhalte hinzuzufügen, stehen wir hoffentlich vor einer sehr erfolgreichen und spannenden Zeit mit dem neuen Publisher 2K.

25. April 2015 - 0:14 Uhr | Marco E-Mail