
Kaum ist ein neues Spiel im Handel, wird von vielen Fans bereits heiß über den Nachfolger diskutiert. Welche Neuerungen wird es geben? Wird endlich an der Engine gearbeitet? Gibt es nächstes Jahr endlich bessere Server? Diese und viele weitere Fragen stellt man sich in diversen Foren bereits lange Zeit bevor das nächste Spiel angekündigt wird – so geschieht es auch jährlich bei der WWE 2K-Serie, die nun bereits seit knapp zweieinhalb Jahren von 2K Games vermarktet wird. Aus diesem Grund möchte ich euch im folgenden Text meine Eindrücke über die Marketing-Strategie des Publishers schildern und euch den schmalen Grat, auf dem sich 2K hierbei befindet, erläutern.
Ein Blick zurück
Wir beginnen unsere Reise im Jahr 2000. Neben der Tatsache, dass wir alle damals entweder 15 Jahre jünger oder noch gar nicht auf der Welt waren, wurde in diesem Jahr mit „WWF SmackDown!“ ein Videospiel veröffentlicht, dessen Neuerungen man durchaus als revolutionär und bahnbrechend bezeichnen kann. Es war das erste Spiel der von THQ und Yuke's produzierten Serie und der Beginn einer mehr als zehn Jahre andauernden Zeit mit THQ als Publisher. Im Verlauf der Jahre gab es Spiele, die sich besser verkauften und Spiele, die keinen so großen Anklang fanden. Ausschlaggebend für den Erfolg war neben den jährlichen Neuerungen, Bugfixes und anderen Änderungen natürlich auch die richtige Marketingstrategie.
THQ konnte seine Fans immer wieder mit eindrucksvollen Trailern (WWE SmackDown vs. Raw 2007), innovativen Werbemitteln (tägliche Superstar-Enthüllungen – WWE SmackDown! Here Comes The Pain) und hinreißenden Slogans (Bigger. Badder. Better – WWE 12) in seinen Bann ziehen und so schon vor dem eigentlichen Release des jeweiligen Spiels viele potentielle Käufer anziehen.
2K Games übernimmt die WWE-Spieleserie
Nach mehr als zwölf Jahren als Publisher von WWE-Spielen wurde im Dezember 2012 bekannt, dass THQ Insolvenz anmelden musste und somit nicht mehr in der Lage war, weitere Spiele zu veröffentlichen. Daraufhin gab die WWE am 21. Februar 2013 offiziell bekannt, dass 2K Games ab sofort als Publisher fungiere und alle zukünftigen Spiele den Titel WWE 2K tragen würden.
Der Publisher, bekannt durch preisgekrönte Spieleserien wie Mafia, Sid Meier’s Civilization oder NBA 2K, übernahm somit auch die Vermarktung des kommenden Titels WWE 2K14, obwohl dieser bereits mitten in der Entwicklung stand. Aus diesem Grund bemerkte man sowohl im Spielgeschehen selbst als auch in Sachen Marketing noch nicht viel vom neuen Publisher. Bereits sehr früh gab es erste Hands On-Berichte (Mai 2013) und auch der erste Trailer wurde bereits kurze Zeit darauf veröffentlicht. Ein Großteil der Fans war mit dem Marketing zufrieden und auch das Produkt an sich wusste in vielerlei Hinsicht zu gefallen.
WWE 2K15 – Eine riskante Gratwanderung
Während man in WWE 2K14 noch vieles – sowohl positiv als auch negativ gesehen – auf den alten Publisher schieben konnte, wurde es im darauffolgenden Jahr ernst und 2K entwickelte in Zusammenarbeit mit Yuke’s das erste hauseigene WWE-Spiel – WWE 2K15.
Viele Fans der Serie erhofften sich durch 2K, endlich in den Genuss einer neuen Gameplay-Engine zu kommen und sahen WWE 2K15 als mögliche Revolution dieser Spieleserie an. Doch sehr bald wurde klar, dass man es seitens des Publishers nicht für notwendig hielt, sein neues Produkt auch nur annähernd so gut zu bewerben, wie es noch in den Vorjahren der Fall war. Monatelang gab es keinerlei Informationen zum Spiel; keine Screenshots, kein Cover und nicht einmal die unterstützen Plattformen wurden zu Beginn veröffentlicht.
Als WWE 2K15 im Mai 2014 in den gängigen Online-Versandhäusern gelistet und zur Vorbestellung angeboten wurde, waren keinerlei Informationen zum Veröffentlichungsdatum, dem Roster oder signifikanten Features des Spiels bekannt. Wer WWE 2K15 also zu diesem Zeitpunkt vorbestellen wollte, musste dem Publisher blind vertrauen.
Erst im Juli des Jahres – also gerade einmal drei Monate vor der geplanten Veröffentlichung – gab die WWE im Zuge einer Monday Night Raw-Ausgabe das Cover des Spiels bekannt.
Zwar gab es in den folgenden Wochen und Monaten mehr Informationen zum Spiel, jedoch wirkte es so, als würde man den Fans etwas vorenthalten und verheimlichen wollen. Die ersten Gameplay-Videos, die nicht etwa durch den Publisher, sondern vielmehr durch Fans selbst hochgeladen wurden, machten das Marketing-Fiasko ebenso perfekt wie der groß angekündigte Roster Reveal im Zuge des SummerSlam-Wochenendes, bei dem ein bedeutender Teil der spielbaren Charaktere vergessen bzw. verschwiegen wurde.
Ebenfalls wurde ein ausführlicher DLC-Plan bekanntgegeben, der Erweiterungen über das ganze Jahr verteilt versprach. Jedoch hat sich 2K auch in dieser Angelegenheit keine Freunde gemacht – keine genauen Details, unzumutbare Preise und nicht eingehaltene Release-Daten (Hulk Hogan-DLC). In meinem Kommentar zur DLC-Politik von 2K habe ich mich ebenfalls näher mit diesem Thema beschäftigt.
WWE 2K16 – Licht am Ende des Tunnels
Nachdem das Marketing im Vorfeld zu WWE 2K15 nicht gerade dazu beigetragen hat, neue Fans zu gewinnen, ging ich WWE 2K16 ohne große Erwartungen entgegen. Aus diesem Grund war ich durchaus positiv überrascht, als die ersten News zum kommenden Ableger bereits im Februar dieses Jahres ans Tageslicht gelangten.
In weiterer Folge schaffte es 2K, neue Details in passenden Zeitabständen bekanntzugeben und so war bereits im Frühjahr klar, dass man aus den Fehlern des Vorjahrs gelernt hatte.
Mit „Stone Cold“ Steve Austin bindet 2K den Coverstar perfekt in die Werbung ein, indem die Trailer zum Spiel im Zuge des so genannten „Book of Austin“ veröffentlicht werden, das am Ende 16 Videos umfassen sollte. Ebenfalls weiß das wöchentliche Roster Reveal, bei dem jeden Montag 25 neue Superstars/Diven auf IGN.com bekanntgegeben werden, zu gefallen.
Zwar gab es in diesem Jahr noch keine Möglichkeit für die Öffentlichkeit, WWE 2K16 selbst anzuspielen, jedoch ist jetzt bereits mehr In Game-Material bekannt als zum gleichen Zeitpunkt des letzten Jahres. Desweiteren kann man bereits einen detaillierten Einblick auf die Kernfeatures des Spiels werfen.
Nun liegt es an 2K, den eingeschlagenen Weg weiterhin in dieser Art und Weise zu verfolgen und die im letzten Jahr verlorenen Fans wieder zurückzugewinnen. Der Grundstein dazu ist jedenfalls gelegt.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Marketing-Strategien in den letzten 15 Jahren zwar immer wieder veränderten, jedoch wurden die Fans mit Ausnahme von WWE 2K15 durchwegs ausführlich und kreativ informiert.
Und nach dem letztjährigen Marketing-Fiasko, das ganz klar als solches bezeichnet werden muss, hat offensichtlich auch 2K verstanden, wie man seine anspruchsvollen Fans am besten bei Laune hält und sie zum Kauf ihres Produktes – in unserem Falle WWE 2K16 – bewegt.
- 561 Aufrufe