Five Things:Ausgabe #02 // Was sich im MyCareer Modus ändern muss

5 Things - Ausgabe #02

Herzlich Willkommen zur zweiten Ausgabe unserer Reihe „Five Things“, in der wir euch auch dieses Mal wieder ein Thema, das mit Wrestling-Spielen zu tun hat, in einer kompakten Top 5-Liste zusammengefasst haben. Während sich beim letzten Mal noch alles um den Publisher-Wechsel von THQ zu 2K drehte, möchte ich mich heute kritisch mit dem My Career-Modus der WWE 2K-Serie auseinandersetzen.

Nachdem die Entwickler bereits im Vorfeld zu WWE 2K16 hart daran gearbeitet haben, den im Vorgänger neu eingeführten Modus so interessant wie möglich zu gestalten, konnte sich das Endprodukt zumindest in der Theorie schon einmal sehen lassen. Doch vielen wird bereits nach wenigen Stunden des Spielens aufgefallen sein, dass sich hinter der schön geschmückten Fassade eigentlich immer noch ein ziemlich fader Spielmodus versteckt.

Aber was fehlt diesem Modus wirklich und inwiefern können bereits vorhandene Features signifikant verbessert werden? Im folgenden Text findet ihr meine Five Things (bitte beachtet, dass es sich um meine subjektive Meinung handelt und diese nicht unbedingt mit den Ansichten anderer übereinstimmen muss)!


1. Weg mit den Titel-Ranglisten

Wenn ich sage, das Aufsteigen in den verschiedenen Titel-Ranglisten sei eine umständliche, mühsame und vor allem langwierige Angelegenheit, spreche ich vermutlich dem Großteil aller Spieler aus der Seele. Hat man endlich den NXT-Titel gewonnen und strebt nach höheren Zielen, ist die Euphorie natürlich erst einmal groß. Doch spätestens wenn man trotz zweier gewonner Fehden und zahlreicher Siege gegen etablierte Stars immer noch nicht über den achten Rang im Kampf um den United States-Titel hinaus gekommen ist, kann sich schon einmal ein wenig Frust breit machen. Und wenn man sich am Beginn seiner Karriere das Ziel setzt, jeden Titel mindestens einmal halten zu wollen, kann man vernünftigerweise schon einmal die Kündigung bei seinem Arbeitgeber einreichen, um sich full-time auf das Ranglisten-Aufsteigen konzentrieren zu können. Auch wenn ich das natürlich etwas überspitzt dargestellt habe, sollte klar sein, wo hier das Problem liegt.

Abhilfe schaffen könnte man, indem man die Titel-Ranglisten schlicht und einfach streicht. Alternativ wäre, wie auch in der Realität existierend, eine „Power 25“-Liste empfehlenswert, um einen Überblick über die aktuelle Position innerhalb der Company zu erlangen. Der Weg zu Titel-Matches sollte ausschließlich über Fehden/Storys führen und dahingehend auch Sinn ergeben. Dazu aber im zweiten Punkt mehr.


2. Logische, spannende Storys

2003 war nicht nur das Jahr, in dem Alexander Klaws zum ersten Sieger von „Deutschland sucht den Superstar“ gekürt wurde; Nein, es war auch das Erscheinungsjahr von SmackDown! Here Comes The Pain. Und dies ist im Nachhinein gesehen weitaus positiver anzusehen als die erstgenannte Nachricht. Here Comes The Pain ist nicht nur für sein schnelles, arcade-lastiges Gameplay in Erinnerung geblieben, sondern noch vielmehr für den revolutionären Season-Modus. Mit einem zufriedenen Lächeln denke ich noch heute, 13 Jahre nach Release, an die vielen interessanten Storys und Fehden zurück, die dieser Modus mit sich brachte. Die im ersten Punkt genannten Adjektive „langwierig“, „umständlich“ oder gar „mühsam“ sind absolut nicht nötig, um den Season-Modus von Here Comes The Pain zu beschrieben, denn dort konnte ich einfach nur genau das tun, was jeder wollte bzw. immer noch will: Die Karriere seines Superstars in der spannenden, schnelllebigen und unberechenbaren Welt der WWE voranzutreiben.

Genau diese „Magie“ muss auch der MyCareer-Modus in zukünftigen Ablegern mit sich bringen, um einen ähnlich hohen Wiederspielwert wie der Ableger von 2003 zu erreichen. Innovative Geschichten müssen innerhalb und außerhalb des Rings erzählt werden, die Entscheidungen des Spielers sollen den weiteren Verlauf der Karriere tatsächlich beeinflussen und die Hall of Fame-Zeremonie sollte nicht aussehen wie die Kreation eines Sommer-Praktikanten, der nach drei Tagen aufgrund seiner Unfähigkeit vorzeitig zurück in die Ferien geschickt wurde.


3. Die Gesinnung

Ich spiele seit vielen Jahren WWE Games und habe auch die beiden MyCareer-Modi aus den vergangenen Jahren ausgiebig gezockt, trotzdem habe ich keine Ahnung, wie das Gesinnungs-System von WWE 2K16 aufgebaut ist. Die Antworten in den Interviews sind teilweise so schwammig, dass man oftmals nur raten kann, inwiefern sie die Eigenschaften eines Wrestlers beeinflussen. Hinzu kommen die größtenteils schwachsinnigen Aufgaben der Authority (Zeige ein 5* Match und verliere gegen Bo Dallas …), die den Status bei ebenjener permanent in den Keller fallen lassen. So kann es bereits nach wenigen Matches der Fall sein, dass man der größte Heel der Company ist und von der Authority gehasst wird, ohne auch nur ansatzweise etwas „falsch“ gemacht zu haben.

Klar, unfaire Aktionen wie das Entfernen der Turnbuckle Pads oder DQ-Niederlagen durch Stuhlschläge erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Heel zu turnen. Aber was muss ich tun, wenn ich in mir den nächsten Hulk Hogan, John Cena oder Roman Reigns sehe und zum Face turnen möchte? Muss ich dazu warten, bis mein Gegner eigenständig einen Stuhl hervorholt und sich disqualifizieren lässt? Muss ich mir irgendwie die Gunst von Vince McMahon erarbeiten? Wenn ja, wie?

Im Endeffekt will ich damit einfach sagen, dass das Prinzip hinter dem System gar nicht mal schlecht ist, aber es könnte so viel einfacher sein. Ein Turn sollte über mehrere Shows aufgebaut werden und dann auch klar und eindeutig durchgezogen werden.


4. Der Developmental-Bereich in NXT

Der Grundgedanke von NXT war es immer, ein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung junger Talente zu legen. Auch wenn die jüngsten Neuverpflichtungen ein wenig von diesem Muster abweichen, so sollte es im MyCareer-Modus speziell in der NXT-Zeit vermehrt um die Weiterentwicklung des eigenen Charakters gehen. Bereits dort sollte man den Grundstein für den künftigen Style, das Moveset und das Potential seines Superstars legen können. Neben Auftritten im NXT-TV muss der Fokus in der Anfangsphase zum größten Teil im Training liegen, das mit dem richtigen System durchaus spannend und interessant präsentiert werden kann. Auch hier ist es essenziell, dass es bereits in den ersten Zügen der Karriere eine Art Story gibt, die man mit seinen Entscheidungen und Trainingsleistungen in verschiedene Richtungen lenken kann.

Ebenfalls wäre es sehr schön zu sehen, wenn man nicht der einzige Auszubildende in der ganzen WWE wäre, sondern dass auch andere aufstrebende Talente den Weg durch die Entwicklungsliga gehen. Natürlich könnten sich die Wege mit diesen Workern auch in späteren Phasen der Karriere kreuzen und wer weiß – vielleicht steht man ja eines Tages seinem ehemaligen NXT-Trainingspartner im Hauptkampf von WrestleMania gegenüber …
Im gleichen Zug muss ich noch einen weiteren Punkt ansprechen, der mich im aktuellen Ableger stört. Und zwar die Tatsache, dass andere Wrestler nicht altern und es keine Seltenheit ist, wenn man im Jahr 2021 bei SmackDown! auf den dort bereits 56 Jahre alten Undertaker trifft. Durch die obengenannte Generierung neuer Charaktere könnte man alte Wrestler nach und nach in den „Ruhestand“ schicken und hätte so einen viel realistischeren Ablauf im MyCareer-Modus.


5. Women’s Revolution

EA Sports hat es in UFC 2 schon vorgemacht, jetzt liegt es an 2K, die Frauen auch im Karriere-Modus der WWE-Games spielbar zu machen. Nachdem der Stellenwert der Frauen in der WWE im Laufe des letzten Jahres relativ stark anstieg und die Women’s Division sogar im Main Event eines NXT-Specials stehen durfte, wäre es die logische Folge, dass man seine Karriere in WWE 2K17 auch mit einem weiblichen Charakter starten kann. Mit Aushängeschildern wie Sasha Banks, Becky Lynch oder auch Asuka stehen aktuell einige der weltweit besten weiblichen In Ring-Worker bei WWE unter Vertrag und auch sonst ist der Kader der einst belächelten Women’s Division so stark aufgestellt wie selten zuvor.

Auch als weiblicher Charakter sollte man zuerst NXT durchlaufen, im Performance Center seine Fähigkeiten verbessern und anschließend den Aufstieg in die Main Shows vollziehen. Dort sollte man dann, ähnlich wie bei den männlichen Kollegen, mit interessanten Storys und Rivalitäten unterhalten werden, ehe man sich nach einer ereignisreichen Karriere zurückzieht und – je nach Erfolg – in die Hall of Fame aufgenommen wird oder als ewige Jobberin in die Geschichte eingeht.


Fazit

Wie ich anfangs bereits erwähnt habe, ist das Grundgerüst für einen guten Karriere-Modus durchaus da, jedoch fehlt definitiv noch einiges, um einen lange anhaltenden Spielspaß zu garantieren. Nun ist es die Aufgabe der Entwickler, auf dieses Gerüst aufzubauen und den MyCareer-Mode mit spannenden, innovativen Features zu einem absoluten Kaufgrund für alle Fans der Serie zu machen.

Was haltet ihr von meinen Ideen? Und was wären eure Vorschläge, um den MyCareer-Modus besser zu machen? Auf euer Feedback würden wir uns sehr freuen!

Abschließend bedanke ich mich an dieser Stelle noch bei unserem langjährigen Mitglied und ehemaligen Administrator Crocodog, der vor mehr als drei Jahren die erste Ausgabe von „Five Things“ veröffentlicht hat. Trotz dieser langen Pause hoffen wir natürlich, dass ihr trotzdem Interesse an diesem Format habt und werden euch in naher Zukunft öfter damit versorgen.

11. Juli 2016 - 16:51 Uhr | Marco E-Mail