Hands-On Preview:UFC Undisputed 3

Die gamescom 2011 ist Geschichte. Unseren Ersteindruck zu WWE '12 konntet ihr ja bereits hier lesen. Doch neben dem Wrestlingspiel von THQ hatte der Publisher ein weiteres Spiel auf der Messe, welches unsere Beachtung fand. Die Rede ist von UFC Undisputed 3. Goldenarmz hat sich immer und immer wieder in die Warteschlange gestellt um euch einen detailierten Ersteindruck von diesem Spiel geben zu können.

Über ein Jahr lang ließ sich THQ Zeit mit dem Nachfolger von UFC Undisputed 2010 und legte dabei durch Umfragen viel Wert auf die Meinung der Community. Das Submission System (wer schneller den Stick dreht, gewinnt) und der Auto-Block (am Boden werden Transitionversuche automatisch geblockt) wurden häufig als Kritikpunkte gebracht. THQ gelobte Besserung indem man sich mehr Zeit nahm um an dem Spiel zu arbeiten und durchbrach damit den eigentlichen Jahresrhytmus. Doch ob sich die zusätzliche Programmierarbeit ausgezahlt hat, oder ob die Versprechen von THQ nur heiße Luft waren, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen...

Allgemein

THQ stellte im 18-er Bereich der Messe mehrere Konsolen mit UFC Undisputed 3 aus. Der Bereich war gut besucht, dennoch mußte man meist nur einen Kampf abwarten, bis man selbst an die Reihe kam. Im Spiel selbst konnte man den nur den UFC-Modus antesten, der PRIDE Modus sowie alle weiteren Modi waren nicht wählbar. Zur Auswahl stand ein Kampf im Leicht- oder Halbschwergewicht mit folgenden Athleten:

Leichtgewicht:
Jim Miller, George Sotiropoulos, Ben Henderson, BJ Penn, Kenny Florian, Anthony Pettis, Clay Guida, Frankie Edgar, Dennis Siver, Nate Diaz, Evan Dunham, Takanori Gomi, Melvin Guillard, Ross Pearson

Halbschwergewicht:
Jon Jones, Cyrille Diabate, Rashad Evans, Rich Franklin, Forrest Griffin, Rampage Jackson, Chuck Liddell, Lyoto Machida, Vladimir Matyushenko, Antonio Rogerio Nogueira, Tito Ortiz, Shogun Rua, Thiago Silva, Brandon Vera

Im Optionsmenü konnte eingestellt werden, ob die Flash-KO's (zufällige Lucky-Punch Knockouts unabhängig von Gesundheitsanzeige) ausgestellt werden sollen und man hatte die Möglichkeit, beide Kämpfer mit den selben Attributen antreten zu lassen. Als Extra kann die "Simulation Stamina" eingestellt werden, bei welcher eurem Kämpfer mehr Ausdauer bei sämtlichen Aktionen abgezogen wird. Alle Fighter haben zwei Outfits zur Auswahl und es können sogenannte Mirror-Fights gespielt werden, in welchen beide Spieler den selben Kämpfer auswählen.

Zusätzlich zu den im letzten Jahr wählbaren Arenen und Referees sind bei UFC Undisputed 3 der Madison Square Garden als Kampfstätte und Josh Rosenthal sowie Kevin Mulhall als Unparteiische enthalten. Das ehemalige WEC-Nummerngirl Brittany Palmer hat es ebenfalls ins Spiel geschafft und versüsst den männlichen Spielern in der Rundenpause die Wartezeit.

Präsentation

Als erstes fällt direkt auf, daß es die Einmärsche der Kämpfer ins Spiel geschafft haben. Die Eingangsmusik war bei dem Messelärm kaum zu vernehmen, aber die Animationen der Kämpfer wirken sehr real. So hüpft ein Clay Guida z.B. genau wie in Wirklichkeit zum Octagon, während Rashad Evans auf allen Vieren in den Käfig steigt. Auf dem Weg dorthin umarmen die Fighter ihre Campkollegen, werden vom Ringarzt durchgecheckt und vom Cutman eingeschmiert. In dieser Zeit erfahren wir etwas über die Stärken der jeweiligen Protagonisten. Während sie auf den ersten Schritten noch in T-Shirt und Mütze zu sehen sind, wird nach einem Schnitt bereits der blanke Oberkörper gezeigt. Ein clevers Mittel um sich eine komplizierte "Shirt-auszieh-Animation" zu ersparen. Alles wirkt wie bei einer echten UFC-Übertragung. Leider waren die Spieler auf der gamescom sehr ungeduldig, daher blieb keine Zeit sich mehrere Einmärsche komplett anzusehen.

Während des Kampfes fällt sofort die neue Kamera auf, die etwas niedriger positioniert ist als in den letzten Jahren. Was zunächst ungewohnt wirkt entpuppt sich gerade im Bodenkampf zu einem sinnvollen Highlight. Der Fokus ist viel stärker auf den Athleten und man beachtet viel mehr die perfekt umgesetzten virtuellen Figuren. Das Ground and Pound kommt einem noch effektiver und schmerzhafter vor als in den Vorjahren.

Spielt man auf der einfachsten Schwierigkeitsstufe, so wird der Kampf zwischendurch angehalten und dem Spieler werden Tipps gegeben, wie er sich zu verhalten hat und welche Knöpfe er wofür drücken muß. Sehr sinnvoll vor allen Dingen bei neuen Spielern der Serie, die so an die Finessen des Spieles herangeführt werden. In den Rundenpausen erhalten beide Kontrahenten, unabhängig von der eingestellten Schwierigkeitsstufe, ein Feedback über die letzte Runde. Es wird aufgeführt, was der Spieler gut gemacht hat und was er in der nächsten Runde ändern sollte. Die Tipps lassen sich aufklappen für mehr Details (siehe Video).


Wanderlei Silva Entrance

Gameplay

Das wichtigste an einem Spiel ist das Gameplay. An diesem wollten die Entwickler besonders arbeiten und die Schwachstellen der Vorjahre ausbessern. Gleich zu Beginn ist uns jedoch aufgefallen, daß man es immer noch nicht hinbekommen hat, den obligatorischen Fistcheck zu Beginn der Runde (beide Kämpfer zollen sich Respekt durch das Berühren der Handschuhe) vernünftig zu animieren. Bei EA MMA hat dies bereits im letzten Jahr perfekt geklappt. Immerhin winkt man sich nicht mehr zu wie im Vorjahr, sondern der Fighter hält den Arm länger in der entsprechenden Pose. Eine Kollisionsabfrage bei Berührung der Handschuhe gab es in dieser Version jedoch leider nicht. Mit den ersten Aktionen im Kampf wird einem klar, daß sich einiges geändert hat bezüglich der Kampfmechanik.

In meinem ersten Kampf gegen den Forenuser zerospace, welcher das Spiel bereits kurz vorher angespielt hatte, hagelte es dementsprechend eine deftige Niederlage. Meine Strategie aus dem 2010-er Teil, nämlich ausweichen und mit harten Schlgkombinationen kontern, konnte ich getrost knicken. Die Animationen des Swayens sind leider gleich geblieben, obwohl man bereits bei Fight Night 3 von EA Sports gesehen hat, wie man dieses Feature realistisch und fließend durch volle Körperkontrolle umsetzen kann. Bei UFC Undisputed 3 zuckt man daher erneut leicht hektisch zur Seite, kann aber nicht mehr so einfach seinen Gegner mit einem harten Konterschlag treffen, da diese nun wesentlich länger dauern. In dieser Zeit hat man bereits einige Schläge kassiert. Was daher wichtiger geworden ist, sind schnelle Schläge wie Jabs z.B. ohne den Power-Modifikator. Diese treffen schneller als die langsamen Power-Hooks, welche bei einem Gegenschlag verpuffen.

Im Clinch fällt zum ersten mal auf, daß der Auto-Block tatsächlich komplett entfernt wurde. Jede ungeblockte Transition ist erfolgreich, es sei denn sie wird zur richtigen Zeit gekontert. Zudem kann der im letzten Jahr übermächtige Clinch dieses Jahr durch wiederholte Schläge des sich in der nachteiligen Position befindlichen Fighters gelöst werden. Somit hat man das Problem des "Festhaltens" im Clinch aus dem Vorjahr jedoch nur vermeintlich gelöst. Es scheint, als könne man die Transitionversuche des Gegners endlos blocken, wenn man sich Mühe gibt. Mir war nach drei erfolgreichen Blocks dieser Test allerdings zu riskant, da mein Gegner ein echter Kampfsportler mit ensprechender Statur zu sein schien. Da war mir meine Gesundheit doch mehr Wert. Im Stand gibt es in diesem Jahr auch eine neue Position, in der man den Gegner von hinten umklammert. Perfekt für krachende Slams.

Neue Animationen, wie ein eingesprungenes Knie im Clinch, sind im Spiel. Zudem gibt es viele neue Punches und vor allem Kicks. Kämpfer wie Jon Jones oder Dennis Siver haben nun mehr Auswahl an Tritten in ihrem Arsenal, egal ob zum Kopf oder zum Körper. Ein wichtiges Feature, welches von THQ beworben wird, ist der Legkick. In den Vorjahren war dieser fast wertlos, obwohl er im reelen MMA eine entscheidende Rolle spielen kann, da der Gegner sich mit einem angschlagenen Bein schlechter Bewegen kann. Wir testeten, ob der Legkick dieses Jahr wirklich eine effektive Waffe ist. Zunächst traten wir ununterbrochen und ohne Gegenwehr des Gegners auf dessen Schienbein ein. Nach knapp 2 Minuten gab das Bein des Gegners nach und ich beksm meinen ersten Legkick-TKO zu sehen. In Kampfsituation testete ich das Ganze ebenfalls. Dort trat der besagte TKO in der Mitte der zweiten Runde ein, nachdem ich meinen Gegner wiederholt mit dieser Technik schwächte. Von einem Humpeln des angeschlagenen Kämpfers, bevor es zum einknicken des Beins kam, war jedoch nichts zu sehen. Ich hoffe, daß dies sich bis zur endgültigen Version noch ändert.


Legkick-TKO

Die neue Simulation-Stamina, also der Modus, in dem der Fighter mehr Ausdauer bei Schlägen einbüßt, hat mich noch nicht umgehauen. Um ehrlich zu sien, habe ich sie kaum gemerkt. Blöderweise hatte ich zu Beginn meiner Testphase den Ausdauerbalken nicht eingeschaltet, so daß ich den Stamina-Verlust bei harten Schlägen ohne Treffer nicht direkt verfolgen konnte. Zerospace jedoch war vollends begeistert von diesem Feature, welches er scheinbar vor unserem Kampf schon einmal antesten konnte. In meinen folgenden Kämpfen konnte ich daher kaum dieses Feature einschalten, da es meist so aussah, daß man auf "Rückkampf" drückte, oder höchstens die Fighter neu auswählte, damit die Leute hinter einem in der Reihe nicht zu lange warten mußten. Wie gesagt, es waren relativ viele Fitness-Freaks am UFC-Stand, mit denen ich es mir nicht verscherzen wollte.

Die Takedowns sehen immer noch aus wie im Vorjahr. Das heißt, daß man nach einem Takedownversuch wieder wie wild anfängt den Stick zu drehen. Hier hätte ich mir persönlich gewünscht, daß Takedowns gegen einen stehenden Gegner schwerer durchzuführen sind. Ist der Gegner mitten in einer Bewegung, ist selbsverständlich, daß der Takedown erfolgreich ist. Eine Neuerung gibt es allerdings auch bei der Takedown-Abwehr. Das hochgezogene Knie ist als effektive Waffe gegen ständige Takedowns wieder im Spiel, unabhängig vom Kämpfer oder Kampfstil. Somit sind Highlights, wie bei UFC Undisputed 2009 wieder möglich.

Eine neue Position gibt es auch am Käfig. Steht der Gegner mit dem Rücken direkt zur Käfigwand, versetzt es einen bei einem Takedown zunächst in eine sitzende Position. Von dort aus kann der an der Käfigwand sitzende Gegner mit harten Schlägen bearbeitet werden. Dieser kann jedoch auch mit Hilfe des Käfigs wieder auf die Beine kommen. Hat man einen Ringer ausgewählt, so kann dieser beim Befreien aus dem Bodenkampf direkt selbst eineen Takedownversuch starten (siehe Video). Am Boden selbst habe ich eine neue Position gesehen, die prädestiniert für den im PRIDE Modus enthaltenen Soccer-Kick ist. Aus der Sprawl-Psotion kann sich der Angreifer erheben und den am Boden knieenden Gegner mit Schlägen - oder eben Kicks im PRIDE-Mode - zusetzen.


D2k und Masterpiece testen UFC Undisputed 3

Habt ihr es geschafft, euren Gegner zu Boden zu bringen, so könnt ihr diesen mit einem neuen Submissionsystem zur Aufgabe zwingen. Statt des Drehens des rechten Sticks wie im Vorjahr, oder schnellen Drückens der Tasten bei UFC 2009, ist dieses Jahr ein Minispiel ausschlaggebend für den Erfolg einer Submission. Ein Octagon wird eingeblendet und das Ziel des Angreifers ist es, den flüchtenden Verteidiger mittels eines Balkens zu jagen. Sobald sich beide Balken berühren, füllt sich die Erfolgsanzeige der Submission, flieht der Verteidiger jedoch wieder, leert sich diese wieder langsam. Durch eine leichte Verzögerung beim Richtungswechsel gestaltet sich dies nicht so einfach wie es sich zunächst anhört. Dennoch habe ich in meiner Zeit bei THQ am Stand nicht eine Submission gesehen, die bewußt und mit Gegenwehr des Gegners durchgeführt wurde. Alle Versuche misslangen und der Verteidiger konnte sich befreien, da die Erfolgsanzeige relativ lange brauchte um sich zu füllen. Angeblich soll laut THQ die länge des Angreiferbalkens von den Submissionwerten des Kämpfers und dem Verlauf des Kampfes abhängen. Dies war in der Kürze der Zeit jedoch nicht eindeutig auszumachen. Jedenfalls war ich froh, daß es scheinbar keine zu einfachen Aufgabesiege mehr gibt.

Die Knockouts wurden komplett überarbeitet. Bei UFC Undisputed 2010 sah jede Fallsituation gleich aus - entweder der Gegner fällt nach links, rechts, vorne oder hinten. Zudem reißt der Sieger direkt die Arme nach oben, noch bevor der Gegner auf den Boden gefallen ist. Wer echte MMA-Fights schaut weiß, daß jeder Fighter auf Nummer sicher gehen würde, daß der Gegner wirklich ausgeknockt ist. Bei UFC Undisputed 3 gibt es daher komplett neue Knockout-Animationen. Der Körper des ausgeknockten Fighters bewegt sich frei auf dem Weg zum Boden, so daß eine viel natürlichere und realistischere Fallanimation entsteht. Zudem könnt ihr direkt nachsetzen und den Gegner weiter mit Schlägen bearbeiten, bis der Referee energisch dazwischengeht. Am Boden selbst ist für den auf dem Rücken liegenden noch längst nicht Schluß. War man in den Vorjahren in der "Rocked-Phase" dazu gezwungen zu blocken und zu hoffen, daß der Ref den Kampf nicht abbricht, so kann man sich dieses Jahr intelligent verteidigen, indem man die Schläge des Gegners "fängt" oder ihnen durch Bewegung des Oberkörpers ausweicht. Mir hat dieses neue Feature sehr gut gefallen, denn man weiß nun nie, ob der Gegner wirklich ausgeknockt ist und der Kampf vorbei ist, oder ob er sich wieder erholt und der fight fortgesetzt wird.


Forenuser Zerospace ist begeistert

Fazit

UFC Undisputed 3 spielt sich wirklich sehr frisch. Durch die schwereren Konterattacken, den entfernten Autoblock im Clinch- und Bodenkampf, die aufgewerteten Legkicks oder das neue Submission-System muß sich der Spieler komplett neu auf das Spiel einstellen. Die Präsentation ist durch die Entrances und neuen KO-Animationen noch näher an der Realität. Die Tutorials und die vereinfachte Steuerung sind perfekt für Neueinsteiger, die sich zumeist bei einem solch komplexen Kampfsportspiel wie UFC Undisputed schwer tun. THQ geht mit diesem Spiel in die richtige Richtung. Es bleiben nur noch Kleinigkeiten, wie das ruckartige Sway-System, die zu einfachen Takedowns oder ein fehlender "Kinn"-Wert für Fighter, die in der Realität unglaublich viel einstecken können und dementsprechend kaum KO gehen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn insgesamt ist UFC Undisputed 3 nach dem ersten Anspielen ein sehr guter neuer Teil der MMA-Serie und damit eine klare Kaufempfehlung für Fans des Genres.

12. Juli 2011 - 16:39 Uhr | Andre E-Mail