
Wie in jedem November, schafft es auch der mittlerweile siebte Ableger der SmackDown!-Reihe in die deutschen Händlerregale. Viele Features wurden versprochen und viele Geheimnisse zum Spiel sehr gut gehütet. Ob dies jedoch die leichten Mängel in SmackDown! vs. Raw ausgleichen konnte, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Review zum Spiel.
Die neue Optik der SmackDown!-Reihe
Nachdem der Spieler seine Kopie von SmackDown! vs. Raw eingelegt hat und das rasant geschnittene Intro hinter sich gebracht hat, befindet er sich in der ersten Neuerung im Spiel: dem Hauptmenü. Während im letzten Jahr noch die WWE-Diven im Hintergrund tanzten, findet der Spieler in diesem Jahr ein ordentliches und übersichtliches Menü ohne jegliche Ablenkung vor. Das Hauptmenü ist dabei klar strukturiert und unterteilt. Der Spieler hat die Auswahlmöglichkeiten „Exhibition“, „Game Modes“, „Create Modes“, „Locker Room“, „Online“ und „Options“. Hinter jeder Auswahlmöglichkeit befinden sich noch zahlreiche weitere Features, die den Menüs mehr Tiefe verleihen.
Viel Altes und viel Neues
Seitdem es die SmackDown!-Serie auf der PS2 gibt, hat sich im Gameplay-Bereich nicht sonderlich viel getan. Das hat sich im neusten Teil von der Grundhaltung des Spiels auch nicht verändert, jedoch hat man das Spiel durch neue Aspekte positiv erweitert.

Das wohl interessanteste und Spiel verändernste Feature ist die Stamina-Leiste. Jede Aktion, die ein Superstar im Ring zeigt, lässt die Stamina-Anzeige des Wrestlers ein wenig sinken. Je mehr Aktionen man direkt nacheinander zeigt, desto eher ist der Wrestler erschöpft. Wer dies vermeiden will, drückt die Select-Taste und frischt seine Stamina-Anzeige wieder auf. Jedoch ist man während dieser Atempause leichter angreifbar für den Gegner. Im Großen und Ganzen verleiht die Stamina-Anzeige dem Spiel mehr Realitätsnähe und macht das ganze Spiel ein wenig langsamer.
Eine große Neuerung ist in diesem Fall ebenfalls das neue Momentum-System. Da im letzen Jahr durch die großen Statusbalken sehr viel Platz verloren ging, baute Yuke's das komplette HUD-System um. In einer kleinen Leiste befindet sich nun das so genannte Momentum-System, das sich nach jedem Move ein wenig füllt. Hat der Spieler sein Momentum komplett aufgeladen, so hat er die Möglichkeit, einen Finisher zu zeigen oder ein Finisher-Icon zu sparen (L1+L2). Entscheidet er sich für die letzte Variante, so kann er seine Momentum-Leiste erneut füllen und einen Super-Finisher ausführen. Dieser ist vergleichbar mit den Super-Dirty- und Super-Clean-Moves aus dem letzten Jahr: ein Move, der dem Gegner mehr Schaden zufügt als ein Finisher mit halber Momentum-Leiste. Auch hier kommt mehr Strategie ins Spiel, da der Spieler überlegen muss, ob ihm ein schnell ausgeteilter Finisher etwas bringt.
Leider hat man dank dieser neuen Displays aber keine zusätzliche Übersicht gewonnen. Die Kamera wurde noch ein Stück näher ans Geschehen gesetzt, was sicherlich dazu dienen sollte, die tollen Wrestler-Modelle besser sehen zu können. Dadurch passiert aber es leider sehr oft, dass man die Köpfe der Wrestler nur zur Hälfte im Bild sieht.

Weitere erwähnenswerte neue Features sind der Possum-Pin, die Sleeper-Hold-Anzeige und die Double-KO-Leiste. Beim Possum-Pin hat der Superstar die Möglichkeit, sich im Ring tot zu stellen. Der Spieler, der am Boden liegt, wartet auf den Gegner, der zu einem Move ansetzen will, und überrascht diesen dann durch Druck der „L2“- und „O“-Taste mit einem Pin – eine Aktion, die in Matches spielentscheidend sein kann, wenn man den Possum-Pin an der richtigen Stelle einsetzt. Ebenfalls neu hinzugekommen ist die Sleeper-Hold-Anzeige. Sobald der Gegner einen Sleeper-Hold ansetzt, hat der Spieler über ein Minigame (Taste im richtigen Moment drücken), die Möglichkeit, sich aufzupowern und den Griff zu lösen, welche man im richtigen Wrestling immer wieder sieht. Ebenfalls ist die Double-KO-Leiste eine weitere Gameplay-Neuerung von SmackDown! vs. Raw 2006. Sinkt die Stamina der beiden Superstars gleichzeitig auf null, fallen beide zu Boden und müssen in einem Minispiel versuchen, auf die Beine zu kommen, bevor der Ringrichter beide bis zehn angezählt hat.
Für die Fans von Hardcore-Matches hat Yuke's ebenfalls ein neues Blutungssystem ins Spiel eingebaut. Der Spieler beginnt nun in drei verschiedenen Arten zu bluten. Anfangs sieht man beim Charakter nur eine Wunde an der Stirn, in der zweiten Phase tropft das Blut bis hinunter auf die Brust und im dritten Schritt tropft das Blut auf die Ringmatte. Ein Highlight ist dabei, dass Blutflecken für eine bestimmte Zeit auf der Matte zurückbleiben.
Die neuen Matcharten

In diesem Jahr wurden gleich drei komplett neue Matcharten ins Spiel implementiert. Zum einen hätten wir da das Buried-Alive-Match. Nachdem das Casket-Match nach SmackDown! 2 wieder aus der Spielreihe verschwand, feiert nun im siebten Teil das Buried-Alive-Match sein Debüt. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Kombination aus dem Sarg-Match und einem richtigen Buried-Alive-Match der WWE. Anstatt den Gegner in ein Grab zu schubsen und einzubuddeln, muss der Spieler den Wrestler in einen Sarg befördern, der über einem ausgehobenen Grab steht. Dies kann über einen direkten Finisher mit gespeichertem Icon und vollem Momentun passieren oder über ein kleines Minispiel. Hier muss erst eine Leiste durch wiederholtes Tastendrücken gefüllt werden und danach der Sarg mithilfe des rechten Analog-Sticks geschlossen werden. Sobald der Sargdeckel geschlossen ist, wird der Sarg in einer Sequenz von einem Bagger mit Erde zugeschüttet. Der Gegner ist in diesem Fall lebendig begraben (engl. „buried alive“).
Die zweite neue Matchart ist der Bar-Brawl. Nachdem man im letzen Jahr nur ein Backstage-Areal präsentiert hatte, fügte THQ zu dieser Backstage-Halle und dem Parking-Lot-Brawl noch den Bar-Brawl hinzu. Der Bar-Brawl basiert auf einer Idee, die 2003 beim WWE-PPV „Vengeance“ zum ersten Mal umgesetzt wurde und unter dem Namen „APA-Bar-Room-Brawl“ bekannt wurde. Das Areal im Spiel erinnert an eine kleine Bar, in der so ziemlich jedes Inventarstück interaktiv gegen den Gegner eingesetzt werden kann – egal, ob es die Jukebox ist, in die der Gegner geschleudert wird, oder der Billiard-Tisch, durch den man seinen Kontrahenten befördert. Sicherlich ist der Bar-Brawl kein Ersatz für Backstage-Areale wie man sie aus „Here comes the Pain“ kennt, jedoch bringt dieser Modus gute Unterhaltung.
Als letzten neuer Modus bekommen die Spieler in SmackDown! vs. Raw 2006 das „Fulfill-your-Fantasy-Match“ zu Gesicht. In den letzten Jahren konnte sich der Spieler am Bra-and-Panties-Match erfreuen und seine Lieblings-WWE-Diva in den Ring schicken. In diesem Jahr hat man diese Idee aufgrund eines Matches bei Taboo Tuesday 2004 erweitert. Dort hatten die WWE-Fans die Chance, per Internet das Kostüm der Diven zu bestimmen. Im Match hat der Spieler deshalb auch die Wahl, seine Lieblingsdiva entweder in ein „French Maid“-, „Nurse“-, oder „Schoolgirl“-Outfit zu stecken. Die Damen kämpfen dann in einem modifizierten Ring, der mit einem Bett, weichen Sofas und Kissen ausgestattet ist. Natürlich hat der Spieler die Chance, eine Kissenschlacht anzufangen und die Sofakissen als Waffe zu benutzen. Der Sieger dieser Matchart wird jedoch nicht per Pin bestimmt, sondern nach den Zuschauerreaktionen. Je öfter eine Diva der Gegnerin ein Kissen um die Ohren haut oder diese über's Knie legt, desto schneller steigt eine „Erfüllte Fantasy“-Leiste am oberen Bildschirmrand, die die Fans in der Halle repräsentieren soll. Sobald diese Leiste gefüllt ist, gewinnt automatisch die Diva, deren Leiste voll ist. Als zweite Möglichkeit, das Match zu gewinnen, bleibt noch die Bra-and-Panties-Match-Variante. Der Spieler hat weiterhin die Möglichkeit, seiner Lieblingsdiva das Oberteil und die Hose vom Körper zu reißen und somit einen Sieg für sich zu verbuchen.
Titel im Exhibition-Modus und Challenges
Seit vielen Jahren fordern die SmackDown!-Fans die Möglichkeit, Titel im Exhibition-Modus verteidigen zu können. In den letzten Jahren gab THQ immer zu verstehen, dass dies aufgrund des Storymodus nicht möglich sei. In diesem Jahr schafft es aber die Titel-Verteidigungs-Option erneut ins Spiel. In diesem Modus könnt ihr alle aktuellen WWE-Titel inklusive des freispielbaren Hardcore- und Million-Dollar-Titels in jeder Matchart ausfechten.

Die Challenges, die im letzten Jahr in SmackDown! vs. Raw ihre Premiere feierten, sind ebenfalls wieder im Spiel enthalten. In den vier Schwierigkeitsstufen „Amateur“, „Rising Star“, „WWE Superstar“ und „Legend“ hat der Spieler die Gelegenheit, sich zu beweisen. Während die Challenges im letzen Jahr sehr strikt an Regeln gebunden wurden, hat man das in diesem Jahr verändert. Meist kann man sogar mehrere Challenges auf einmal erledigen. Wer eine Challenge-Reihe schafft, bekommt eine neue Trophäe für den Locker-Room, sowie einen besonderen Gewinn. Für den Gewinn der Rising-Star-Challenge-Reihe erhält der Spieler beispielsweise die ECW-PPV-Arena. Im Gegensatz zum letzen Jahr sind die Challenges mit weniger Wutkrämpfen verbunden. Yuke's hat lösbare Aufgaben für die Spieler eingebaut und somit eine neue Langzeitmotivation geschaffen. Es ist in diesem Jahr sogar möglich, Challenges zu wiederholen und dafür trotzdem einen kleinen Betrag Geld zu bekommen.
Mein Haus, mein Boot, mein Lockerroom
Eine große Neuerung in diesem Jahr ist der Lockerroom – ein Feature, das andere Sportspiele wie zum Beispiel „Madden“ von EA schon lange beinhalten. Der Lockerroom ist so etwas wie das Zuhause eures Wrestlers und eure zentrale Anlaufstelle bei Veränderungen innerhalb und außerhalb des Season-Modus. Im Lockerroom befinden sich nicht nur eure bisher gewonnen Titel, sondern auch euer Schreibtisch, auf dem ihr eure Royal-Rumble-Nummer, Statistiken der Season sowie die Challenges begutachten dürft.

Ebenfalls habt ihr die Chance, euren Lockerroom nach euren eigenen Bedürfnissen anzupassen. Somit könnt ihr nahezu alles im Raum ändern, angefangen vom Boden, über die Beleuchtung bis hin zu den Möbelstücken. Der Kreativität des Spielers sind hier nur wenige Grenzen gesetzt. Der Spieler hat außerdem die Möglichkeit, spezielle Items wie "DeGeneration-X“-Poster oder Replika-Masken in seinem Lockerroom auszustellen. Zum Start des Spiels werden dem Spieler knapp 30% aller im Spiel enthaltenen Items zur Verfügung stehen. Je besser der Spieler sich aber in den integrierten Challenges schlägt, desto mehr Items stehen ihm zur Auswahl. Über den Lockerroom habt ihr die Chance, die Shopzone zu erreichen, die in diesem Jahr in zwei Kategorien unterteilt wurde. Zum einen gibt es die traditionelle Shopzone und zum anderen den den Lockerroom-Shop. In der normalen Shopzone kauft ihr Legenden, Attires und neue Titel, während ihr in der Lockerroom-Shopzone Gegenstände für eure Umkleide kaufen könnt. Egal, ob es ein neuer Spind oder ein neuer Bodenbelag ist, der Spieler hat die Qual der Wahl.
Schaffe, Schaffe, Häuslebauer
Die Create-a-Wrestler-Option hat im Vergleich zum Vorjahr noch einmal an Komplexität gewonnen. Die Menüs wurden auch hier komplett angepasst und wirken nun übersichtlicher.
Mittlerweile kann man offen sagen, dass es schwer ist, einen CAW vom wirklichen Superstar zu unterscheiden . Jedoch trüben alte Texturen bei Kleidung, Logos und Tattoos das Gesamtbild des Models.
Im Spiel befinden sich immer noch die gleichen Texturen, die wir schon in „Here comes the Pain“ präsentiert bekommen haben. Leider sehen diese Texturen alles andere als schön aus, auch wenn wir uns noch in der gleichen Konsolengeneration befinden. Natürlich hat Yuke's auch wieder neue Kleidungsstücke ins Spiel gepackt, jedoch fallen diese erst beim zweiten Hinschauen auf. Gute Arbeit hat man defintiv bei den neuen Frisuren und beim CAW selbst geleistet. Bei den Kleidungsstücken muss man wohl aber auf eine Grunderneuerung auf der PS3 hoffen. Hier hat man wirklich Potenzial verschenkt.
Eine wirkliche Neuerung für Serie ist der Create-an-Entrance-Modus. In diesem hat der Spieler die Möglichkeit, den Entrance seines Superstars komplett anzupassen. Während man im letzten Jahr lediglich fertige Entrances des Spiels nutzen konnte, kann man in diesem Jahr einen Entrance aus vier verschiedenen Stücken zusammenzuschneiden. Dabei unterscheidet der Spieler zwischen „Stage“, „Ramp“, „Ring“ und „Ring In“. In jedem dieser Teilsegmente hat der Spieler die Wahl zwischen vier verschiedenen Kameraperspektiven, Pyro, Licht- und Spezialeffekten. Leider fehlt jedoch ein richtiger Timer, sodass man das Feuerwerk nicht auf seinen Entrance abstimmen kann.
Ebenfalls ist der Create-a-Belt-Modus wieder im Spiel vertreten. Anders als im letzen Jahr, in dem die Preise der selbsterstellen Titel utopisch hoch waren, sind die Titel in diesem Jahr sehr erschwinglich geworden. Der Spieler kann sogar Tag-Team-Gürtel erstellen und somit neue Tag-Team-Champions krönen. Die Auswahlmöglichkeiten im Create-a-Belt-Modus wurden noch einmal aufgestockt, sodass auch hier genug Titelvarianten entstehen können.
Erneut ist natürlich auch die Create-a-Moveset-Option im Spiel vertreten, in der ihr eurem Wrestler individuelle Moves zuteilen könnt. Hier hat sich bis auf die Optik und neue Unterteilung der Unterkategorien jedoch nichts verändert.
General-Manager-Modus
Ziemlich zum Schluss dieses Reviews kommen wir zur größten Neuerung der Serie: der General-Manager-Modus. Bereits zwei Monate vor dem Release schwirrte ein Screenshot einer australischen Verpackung im Netz umher, auf dem dieser Modus umworben wurde. THQ bezog jedoch erst wenige Wochen vor dem Release Stellung und bestätige diesen Modus.

Im General-Manager-Modus übernehmt ihr die Rolle des General-Managers von Raw oder SmackDown! In anfänglichen Drafts mit dem gegnerischen General-Manager wählt ihr dann eure Wrestler und startet eure Season. Die Navigation im General-Manager-Modus ist sehr schlicht gehalten und bietet euch doch einen sehr komplexen Modus. Von nun an ist es eure Aufgabe, eure gewählte Show zur Nummer eins zu machen und die Konkurrenz auszustechen. Dies schafft ihr nur durch eure Show und die Ratings. Jede Woche stellt ihr eine Matchcard zusammen, die aus sechs Matches und zwei Promos besteht. Ihr könnt Fehden zwischen einzelnen Workern starten oder sogar Invasionen der gegnerischen Show in die Wege leiten, um eure Ratings in die Höhe steigen zu lassen. Vor und nach den Shows steht euch entweder Tazz oder Jim Ross mit Rat und Tat zur Seite. Letztendlich entscheidet ihr, welcher Wrestler getradet wird, welcher einen Push bekommt oder wer vielleicht sogar gekündigt wird. Der General-Manager-Modus läuft ein Jahr und findet nach Wrestlemania 21 ihren Sieger im Rating-Kampf. Was der Gewinner bekommt, wollen wir an dieser Stelle noch nicht verraten. Nach diesem Jahr müsst ihr aber nicht komplett von vorne beginnen, sondern dürft nach einem Draft Wrestler in eure Show holen und eure Karriere fortsetzen. Der Modus ist somit unendlich lang spielbar.
Der General-Manager-Modus erfüllt wohl die Wünsche eines jeden Wrestling-Simulator-Fans.
Der Season-Modus
Der Season-Modus in SmackDown! vs. Raw 2006 ist eine gelungene Verbesserung im Vergleich zum letzen Jahr. Wieder merkt man deutlich, dass die Schreiber der WWE für das Spiel eine eigene Storyline geschrieben haben, die den Spieler zwei komplette Seasons an den Bildschirm fesselt. Ohne zuviel zu verraten, muss man jedoch sagen, dass der Storymode erneut linear ist. Fans des „Here comes the Pain“-Storymodus müssen sich also erneut mit einem gescripteten Storymode abfinden, der jedoch keinesfalls schlecht ist. Besonders erwähnenswert sind die Wendungen und Überraschungen innerhalb der Storyline. Der Storymode unterteilt sich selbst in zwei nicht miteinander verbundene Abschnitte. Entweder könnt ihr eine Season bei Raw oder bei Smackdown beginnen, letztendlich werdet ihr in jeder dieser beiden Shows eine unterschiedliche Storyline präsentiert bekommen.
Wie im letzen Jahr ist der Storymode sehr linear, jedoch bieten sich dem Spieler immer wieder Auswahlmöglichkeiten. Diese sind zwar sehr rar, verändern jedoch eure möglichen Gegner für kommende Matches. Eine weitere Neuerung, die aus dem letztjährigen Franchise übernommen wurde, sind die Voice-Overs. Der komplette Storymode wurde von den WWE-Superstars eingesprochen und kommt ohne Untertitel aus. Sogar die selbsterstellen Wrestler werden in diesem Jahr zum Sprechen kommen, während sie im letzen Jahr mit Text versehen wurden. Vergleicht man den Storymodus mit dem des letzen Jahres, erleben wir eine starke Verbesserung. Sowohl die Präsentation der Story als auch das Flair der WWE finden sich im Storymodus wieder.
Roster und Legenden
Hier kommen wir wohl wie mittlerweile in jedem Jahr zum negativsten Punkt eines jeden SmackDown!-Spiels: das Roster. Wie auch in den Jahren zuvor erleben wir ein sehr unaktuelles Roster, das teilweise den Stand vor Wrestlemania 21 hat und lange entlassene Superstars wie Spike Dudley, Muhammad Hassan und Charlie Haas beinhaltet. Ein weiterer negativer Punkt am Roster sind die teilweise sehr unaktuellen Entrance-Attires oder Modelle. Warum ein Triple H, der seit neun Monaten einen Bart trägt, diesen nicht auch im Spiel hat, ist leider nicht ganz nachvollziehbar. In „Day of Reckoning 2“ war dieser beispielsweise enthalten und das Spiel erschien vor einigen Monaten. Selbiges gilt auch für alte Attires wie beispielsweise das von Batista, der immer noch seine Evolution-Ring-Gear am Körper trägt. Der enge Zeitplan in der Entwicklung kann in diesem Fall keine Ausrede für diese Unaktualität sein.

Bereits im Vorfeld lockte THQ mit neuen Legenden und hier wurde Wort gehalten. Neben „Stone Cold“ Steve Austin, dem British Bulldog und dem Junkyard Dog befinden sich auch drei Versionen von Hulk Hogan im Spiel (NWO, 80er, 05er). Leider muss man hier aber Abstriche machen. So ist es unverständlich, dass Kane ein Attire mit Maske als zweites Kostüm besitzt, aber ein Hogan dreimal einzeln im Spiel auftaucht. Für die vielen Hulk-Hogan-Fans wird das aber sicherlich eine Offenbarung sein, da alle drei Hogans sehr gut gelungen sind. Die meisten Legenden mit Ausnahme vom NWO-Hogan und dem British Bulldog besitzen ihr Originaltheme und -entrance-Video und sogar für Andre the Giant, der nie ein Entrance-Video beim Einmarsch in die Halle hatte, wurde extra ein Video erschaffen. Man merkt hier deutlich, dass sich die Entwickler Mühe gegeben haben und auf die Fans gehört haben.
Sound, Grafik und Motion-Capturing
In diesem Jahr wurde zum ersten Mal für die Einmärsche der Wrestler mit Motion-Capturing gearbeitet. Die Entrances der einzelnen Superstars sind tatsächlich so realistisch wie noch nie und das kommt der ganzen Atmosphäre des Spiels zugute. Leider gibt es bei dieser ganzen Perfektion aber einige Probleme. So sind die Einzüge bei sehr vielen Superstars nicht wirklich synchron angepasst. Triple H kommt zum Beispiel viel zu früh in die Halle und Batista übergeht einfach seinen Explosionsstop, der mit dem Entrance-Lied abgestimmt wurde. Vermutlich sind das nur Feinheiten, die Zuschauern des echten WWE-Programms auffallen, jedoch sollte so etwas wirklich nicht in einer Verkaufsversion fehlen.

Wer schon bei SmackDown! vs. Raw von der grafischen Höchstgrenze der Wrestlinggames auf der PS2 sprach, wird schnell merken, wie sehr er sich getäuscht hat. Die Grafik von SmackDown! vs. Raw 2006 sieht einfach fantastisch aus. Noch nie zuvor sahen die Wrestler so lebensecht aus wie im aktuellen Teil des Franchise. Es ist erstaunlich, was Yuke's noch aus der recht alten Hardware herausgeholt habt. Gerade dank der nahen Kameraperspektive im Spiel erkennt man jedes Detail der Wrestler. Um den Eindruck einer echten TV-Übertragung zu erzeugen, wechselt die Kamera während spektakulärer Moves in eine TV-übliche Ansicht und zeigt das Geschehen im Ring aus dem besten Kamerawinkel.
Eine weitere Änderung gab es dieses Jahr im Soundbereich des Spiels. Während früher Submission-Moves ohne Geräusche auskamen, unterlegte man viele Aktionen der Wrestler mit zusätzlichen Sounds. Während eines Submission-Moves hört man beispielsweise realistische Sounds des Körpers. Leider sind aber nicht alle neuen Sound so gut gelungen. Geht dem Spieler die Stamina aus, so fällt er mit einem nervtötenden Geräusch zu Boden.
Ansonsten kann man über die Soundkulisse im Spiel nicht viel Negatives sagen. Die Voice-Over wurden im Gegensatz zum letzen Jahr deutlich euphorischer aufgenommen und die Fans in der Halle feuern ihre Lieblinge tatkräftig an. Das Zusammenspiel der Punkte Voice-Over und Halle funktioniert in diesem Jahr auch ohne große Probleme.
Die Wrestler besitzen mit Ausnahme von wenigen Legenden ihre Originalthemes. Sogar Wrestler wie Robert Conway, der erst seit gut vier Monaten mit einem neuen Gimmick in der WWE vertreten ist, besitzt schon sein neues Theme.
Clippingfehler und KI
Wrestler, die zur Hälfte durch die Seile gehen, und Griffe, die durch den Körper des Gegners erfolgen, sind seit Jahren nichts Neues für SmackDown!-Fans. In diesem Jahr scheint es jedoch, dass dank der aufpolierten Grafik die Clippingfehler angestiegen sind. Besonders auffällig wird dies, wenn mehr als drei Personen gleichzeitig im Ring stehen.

Die künstliche Intelligenz in diesem Jahr ist auf der einen Seite sehr gelungen und auch sehr herausfordernd, auf der anderen Seite gibt es jedoch viele neue Fehler, die den Spielspaß ansatzweise trüben. Zum einen gibt es die traditionellen vier Schwierigkeitsgrade „Easy“, „Normal“, „Hard“ und „Legend“. Dazu hat der Spieler jedoch noch die Gelegenheit, über spezielle Schieberegler die CPU anzupassen. Möchte der Spieler beispielsweise erreichen, dass die CPU weniger Moves blockt, so ist auch dies einzeln einstellbar. Mit den Schwierigkeitsgraden kommen aber auch wieder altbekannte Probleme. Die KI scheint seit dem letzten Teil nicht intelligenter geworden zu sein, sondern zeichnet sich auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad lediglich durch Konter aus. Wer auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad das Kontern nicht beherscht, wird vermutlich sehr große Probleme bekommen.
Ein großes Problem der KI in diesem Jahr ist das zielorientierte Spielen. Während die KI-Spieler im letzen Jahr zum Beispiel bei einem Leitermatch erst den Gegner schwächten, versuchen die CPU-Spieler in diesem Jahr fast nur noch, die Leiter aufzustellen und sofort zum Titel zu kommen. Dabei scheint es egal zu sein, ob der Spieler noch volle Energie hat oder wo er sich gerade befindet. Das ist ein KI-Fehler, den man schon vor einem halben Jahr in Wrestlemania 21 sehen konnte, und obwohl SmackDown! und Wm21 von verschiedenen Entwicklern programmiert wurden, beinhalten beide Spiele diesen unnötigen Fehler. Allzu viele dieser KI-Fehler befinden sich jedoch nicht im Spiel. Positiv muss man jedoch die KI (egal auf welchem Schwierigkeitsgrad) in Tag-Team-Matches loben. Selten zuvor schien die künstliche Intelligenz realisitischer agieren zu wollen, als im aktuellen SmackDown!-Teil. So unterbrechen Tag-Team-Partner dank der Kontrolle über den linken Analogstick Submission-Moves, Cover und Eingriffe ohne Probleme.
Fazit
Mit SmackDown! vs. Raw 2006 haben THQ und Yuke's wohl das beste Wrestlingspiel der PS2 erschaffen. Die großen Mängel des letzten Teils, bei dem gerade die mäßige Langzeitmotivation bemängelt wurde, hat THQ defintiv beseitigt. Egal, ob es der sehr gute Storymodus ist, der neue unbegrenzt lang spielbare General-Manager-Modus oder die Möglichkeit, alle Titel im Exhibition-Match zu verteidigen, SmackDown! vs. Raw 2006 hat das Potential, die Spieler über Wochen an den Bildschirm zu fesseln. Neue Matcharten wie der Bar-Brawl oder das Fulfill-your-Fantasy-Match sind zwar keine Offenbarungen, aber trotzdem sehr gute Matches, die über lange Zeit unterhalten können. Ebenfalls fällt die ganze Präsentation des Spiels postiv auf. Klar strukturierte Menüs ohne große Ablenkung und die bisher beste Wrestlinggame-Grafik auf der PlayStation 2.
Leider gibt es aber auch immer eine Schattenseite, auch wenn diese bei SmackDown! vs. Raw 2006 sehr klein ausfällt. Die Bugs und Clippingfehler sind ärgerlich, fallen aber nicht wirklich ins Gewicht. Die teilweise recht nervigen Soundgeräusche beim Ausgehen der Staminaleiste überhört man auch nach dem dritten Match. Mehr ins Gewicht fallen da natürlich Dinge wie die alten Texturen im CAW-Modus, die neue teilweise problematische Kamera oder die Unaktualität der Attire bzw. Wrestler. Trotzdem sind das keine Punkte, die unsere Wertung zu SmackDown! vs. Raw 2006 herunterziehen. Wer Wrestling auf einer Konsole in Perfektion erleben will, sollte zugreifen.
Unsere Wertung
- Gameplay
- 9
- Präsentation
- 9
- Umfang
- 9
- beeindruckende Grafik
- haufenweise freischaltbare Gimmicks
- neue Matcharten
- neue Legenden
- hohe Langzeitmotivation
- Titelmatches im Exhibition-Modus
- Unaktualität der Wrestler-Attires
- nervige Geräusche bei Moves
- Clippingfehler
- Bugs
- alte Texturen im CAW-Modus
- 1934 Aufrufe