Test:WWE 2K15 auf der Last-Gen

WWE 2K15 Testbericht der PlayStation 3 Version

Wie in jedem Jahr freuen sich Wrestlingfans auch 2014 auf die neueste Ausgabe des WWE-Spiels für die Konsole. Mit ihr geht 2K ins zweite Jahr und sorgt auf den CurrentGen-Konsolen durch wahre Grafikschmankerl für besondere Vorfreude. Die LastGen-Konsolen erhalten natürlich ebenfalls ihren Ableger. Ein Muss für jeden Wrestlingfan, der noch keine One oder PS4 daheim hat? Wir werden sehen. Denn seit Freitag bin ich im Besitz der Presseversion für die Playstation 3 und hinter mir liegt ein Wochenende, nach dem mir meine Eltern als Kind noch eckige Augen bescheinigt hätten.

Welcome to 2K15

Gleich zu Beginn zieht das Spiel einen ersten Patch. Das wundert mich schon lange nicht mehr, denn die Zeiten, in denen fertige Spiele verkauft wurden, sind schon lange vorbei. Aber gut, die paar Minuten warten wir gerne, denn ich bin besonders heiß auf die Modi 2K Showcase und „Who Got NXT“, schließlich war der Wrestlemania-Modus im vergangenen Jahr quasi mein Kaufgrund für das Spiel. Da ich mich grundsätzlich selten bis gar nicht über ein Spiel im Vorfeld informiere, wusste ich nur, dass es die Modi geben, aber nicht, wie diese aussehen würden. Mit WWE 2K14 im Hinterkopf war ich allerdings zuversichtlich, dass man mir hier erneut ein tolles Spielerlebnis bieten würde.

Tja... Pustekuchen! Der Showcase-Modus beschränkt sich genau auf zwei Fehden. Zum einen finden wir hier Cena vs. Punk: 19 Matches am Stück, die wie der Wrestlemania-Modus im Vorjahr gespielt werden und den diverse durchaus nett gestaltete Zwischensequenzen ergänzen. Hier und da muss man wie gehabt einige Reaktionstests bestehen, um eine Herausforderung erfolgreich zu meistern. Das könnte alles schön und gut sein, würde es sich nicht anfühlen wie bereits dreimal durchgekaut. Denn der Modus bringt im Vergleich zum Vorjahr null Neuheiten. Dazu ist es absolut eintönig, in 19 Matches mit Punk oder Cena zu kämpfen. Hier und da bekommt man zwar einen anderen Gegner vorgesetzt, aber wirklich helfen tut das nicht. Im Zeitachsenmenü werden statt realer Fotos von damals nun Screenshots aus den CurrentGen-Versionen präsentiert. Zählt das schon als Schleichwerbung?

Die zweite Storyline, die uns präsentiert wird, ist die Freund-, beziehungsweise Feindschaft von Triple H und dem Heartbreak Kid Shawn Michaels. Retrofans kommen hier teilweise auf ihre Kosten, doch auch die Storyline zwischen den Legenden des modernen Wrestlings endet in vollkommener Eintönigkeit. Zum Glück sind es hier „nur“ 14 Matches, die man überstehen muss. Während des Showcase-Modus spielt man diverse Attires, Manager und einige Wrestler frei, die man später im Exhibition-Mode verwenden kann. Wie sinnvoll Attires sind, darüber streiten sich die Geister wohl seit „Smackdown! Shut your mouth!“. Ich selber brauche sie nicht, aber es ist auch nicht verkehrt, sie zu haben. Gleiches gilt für die Manager, die zumindest im Spiel durchaus ihre Daseinsberechtigung besitzen. Die freizuspielenden Wrestler dagegen sind natürlich klasse – wenn sie nicht so uninteressant wären. Vom großen Legenden-Roster aus WWE 2K14 sind einzig Kevin Nash, Ric Flair, Steve Austin und der Ultimate Warrior übrig geblieben. Das schmerzt den Wrestlingfan der 90er Jahre schon sehr. Die Krone setzt dem die freischaltbare pseudovintage-Version von Alberto del Rio auf, die wohl nur eine Handvoll Spieler überhaupt spielen möchten. Aber auch eine zweite Version von Punk, Kane, Orton und Bryan sind meiner Meinung nach absolut unnötig. Was hätte ich mich da über andere Wrestler gefreut. Verschenkter Platz und somit verschenktes Potential. 

Aber widmen wir uns dem "Who got NXT?"-Modus. So umfangreich die beiden Showcase-Fehden gestaltet wurden, so trist fällt NXT aus. Gerade einmal fünf NXT-Wrestler bieten uns jeweils vier reichlich zusammenhanglose Matches, alle mit drei kleineren Herausforderungen gespickt. So muss man den einen Kampf ohne moderaten Schaden überstehen, während der andere ohne eingesetzten Finisher gewonnen wird. Keine große Sache und der halbwegs geübte Wrestlingspieler wird diese Matches im Nu erledigt haben. Hat man alle fünf NXT-Stars freigeschaltet, geht es an die große Prüfung im Match mit John Cena. Hier hält das Spiel die Statistiken fest, wie oft, schnell und schön man gegen den Champ gewinnen konnte. Über eine eher undurchsichtige Benotung, kann man seine Leistung mit der von anderen Spielern vergleichen. Sicherlich eine schöne Sache für diejenigen, die es interessiert oder die daraus Motivation für bessere Leistungen ziehen können.

I am awesome – you are not

Das wird wohl die CurrentGen zur LastGen-Version sagen. Denn WWE 2K15 ist auf der Playstation 3 alles andere als eine grafische Offenbarung. Zwar wurden einige Stars minimal aufpoliert, das Spiel bleibt allerdings auf dem Niveau von 2K14. Das bedeutet leider auch, dass Superstars ihrem realen Vorbild stellenweise absolut nicht gleichen. Besonders nervt das, wenn man sich in der Showcase-Storyline um HBK befindet. Shawn Michaels war schon im vergangenen Jahr hässlich und wurde in diesem Jahr leider 1:1 übernommen. Für mich unverständlich, da sich die Story schließlich um ihn und Triple H dreht. Da erwarte ich schon etwas mehr. Neue Wrestler wie Bray Wyatt, die NXT-Stars, oder auch die verschiedenen Hallen mit all ihren spastisch dauerjubelnden Fans sehen leider genauso, wenn nicht schlimmer aus. Das war angesichts des Wechsels auf die One und die PS4 nicht anders zu erwarten. Enttäuschend ist es dennoch. Auch der Soundtrack hat keine große Neuerungen erfahren, was ebenfalls klar gewesen sein dürfte. Schließlich schleppen auch die WWE Superstars ihre Titelmusiken das ein oder andere Jahr mit sich rum. Hier und da findet sich ein neuer Song, der auch im Spielmenü immer und immer wieder angespielt wird. Doof nur, dass sich die Tracks deutlich zu oft wiederholen. Alleine von der Dauerwiederholung Flo Ridas „Wild One“ bluten meine Ohren jetzt noch. 

Kommen wir zum Spiel selbst. Als Spieler, der nach acht Jahren Abstinenz erst mit WWE 2K14 wieder zum Wrestlingspiel gefunden hat, bin ich alles andere als ein Superstar unter den Buttonsmashern. Daher spiele ich das Spiel im Schwierigkeitsgrad „normal“. Und tatsächlich schafft man es auf „normal“ sehr schnell, alle Matches in der Exhibition zu gewinnen. Auch im Showcase und NXT kommen keine großen Probleme auf – wären da nicht diese zwei Herausforderungen gewesen, die mein Frustrationslevel ganz besonders in die Höhe haben schnellen lassen. Beide Matches finden wir bei NXT: zum einen der zweite Kampf von Sami Zayn mit Cesaro, zum anderen die Prüfung mit Cena. In beiden Fällen fällt der Schwierigkeitsgrad ungleich höher aus, denn der computergesteuerte Gegner blockt plötzlich beinahe jeden der Moves, die man ihm entgegen wirft. Man selbst verursacht quasi keinen nennenswerten Schaden, während der eigene Kämpfer nach wenigen Minuten bereits platt ist. Das ist auf Dauer alles andere als ein Vergnügen, schließlich möchte man in einem Spiel auf dem Schwierigkeitsgrad auch eine reelle Chance haben dürfen. 

Zumindest die Vielfalt an Matches bleibt auf einem hohen Niveau. Bis auf wenige Ausnahmen dürfen sich Fans der Spiele auf die wichtigsten und weniger wichtigen Variationen des klassischen auf-die-Fresse-Gebens freuen. Ob im 1 on 1, Tag Team, TLC oder Hell in the Cell – langweilig wird das Spiel so schnell nicht. Ebenfalls positiv: Das Cover-System ist leichter geworden. Hatten viele Spieler im vergangenen Jahr noch arge Probleme schon aus dem ersten Cover zu entkommen, wirkt es in diesem Jahr deutlich fairer. 
Was ich dagegen nicht empfehle, sind Mixed Tag Team Kämpfe. In drei von drei Fällen schlug der computergesteuerte männliche Wrestler die Dame an meiner Seite, was zur automatischen Disqualifikation führte. 

Unvermeidbar sind „Bugs“ dieser Art scheinbar nicht mehr – auch trotz Patch. Eine kleine Auswahl des Wochenendes: 

  • Wrestler springen munter und unkontrolliert durch den Ring, um ihre Moves zu zeigen
  • Kommentatoren sprechen in der Showcase von Ereignissen, die so noch nicht stattgefunden haben oder im Slobberknocker und dem Royal Rumble von Wrestlern, die noch nicht im Match sind
  • Vereinzelt kam es zu Slow-Motion-Effekten
  • HBK lief bei seiner geskripteten Sweet Chin Musik am torkelnden Gegner vorbei (immerhin behielt er den Finisher)
  • Cena versank im Boden
  • Big Shows Körper drehte sich bei der Renn-Animation um die eigene Achse
  • Die abschließende Ringglocke und Michael Coles Schlussworte hört man nach Matches mit Zwischensequenzen grundsätzlich erst im folgenden Ladebildschirm
  • Lippensynchronie der Figuren ist weiterhin ein Fremdwort

Fast alles nur Kleinigkeiten, aber die Masse macht es am Ende aus.

WWE Superstars are professionally trained performers  

Was sofort auffällt: Ein Powerhouse hat es in diesem Spiel ungleich leichter, seinen Gegner zu besiegen. Nach nur wenigen Moves ist der Gegner bereits geschwächt und kann per Signature oder Finisher und anschließendem Pin besiegt werden. Da es in der Natur des Powerhouses liegt, ebenfalls einige Treffer einzustecken, bleibt der Schrecken der unzähligen Konter aus, die einem dieses Spiel insgesamt entgegen wirft. Ein Cruiser- oder Leightheavyweight müsste dagegen auf viele schnelle Aktionen zurückgreifen. Neben der Unzahl an geblockten Moves (inkl. Finisher) heißt die andere Problematik „Adrenalin“. Diese Leiste wird mit jedem Meter, den ein Superstar rennt, kleiner. Ist sie leer, bleibt der Superstar erschöpft zurück. Das führt so weit, dass ein Wrestler nicht mal die Rampe bis zum Ring entlang rennen kann, ohne am Ende wie ein kettenrauchender Asthmatiker zu keuchen. Nun weiß ich natürlich nicht, wie das spezielle Trainingsprogramm der WWE aussieht, aber wenn die Kondition der Wrestler SO aussieht, sollten sie ihr Programm schnell wieder umstellen. Zum Glück können wir über die Optionen sämtliche Einstellungen nach Belieben verändern. Kontert der Gegner zu häufig? Dreh die Leiste runter! Ist der Adrenalinverbrauch zu hoch? Dreh die Leiste runter! Macht dein Konter zu viel Schaden? Richtig: Dreh die Leiste runter! Man kommt sich vor wie in einem schlecht gebalanceten FIFA, bei dem der Gegner jede Bananenflanke mit einem Tor bejubeln darf, während man selbst keinen geraden Pass zustande bringt. Statt selbst an einer guten Spielbalance zu drehen, überlässt 2K wie EA dem Spieler das Justieren der Schrauben. Das kann man positiv finden, weil man die Freiheiten genießt, oder auch nicht, weil hier ein Spiel mit miesen Einstellungen nach Hause geliefert wird.

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt

Gleiches gilt für die „WWE-Welt“. Den Modus dürften die meisten bereits aus den Vorgängern kennen. Tatsächlich hat sich hier rein gar nichts verändert. Es werden weiterhin angebliche Rivalitäten durch den Computer „aufgebaut“ und mit sich wiederholenden Sequenzen im Spiel selber „dramatisiert“. So erhält beispielsweise der Champion Cena ab und an einen Besuch von Lesnar oder Undertaker, die ihm dann eine verpassen. Anschließend geht das Match normal los, ohne dass die Aktion auch nur eine leichte Auswirkung auf den Kampf gehabt hätte. Die dadurch resultierenden News im Stile „Lesnar attackiert den Champ!“ sind frustrierend eintönig. Das ändert sich leider auch dann nicht, wenn der Spieler die WWE-Welt nach eigenem Interesse umgestaltet. Trotzdem kommt dann wenigstens etwas Leben in die Matches. Titelträger müssen plötzlich ihre Titel verteidigen, Spezialmatches werden angesetzt, Rivalitäten richtig aufgebaut. Das ist zwar zeitaufwändig, aber zu zweit vor der Konsole kann das direkt Spaß machen. Warum ein solcher Modus allerdings fast ausschließlich aus einer Handvoll uninteressanter Wrestler bestehen muss, während die Topstars eher selten auftauchen, konnte mir noch niemand erklären. Leider ist es 2K auch in diesem Jahr nicht gelungen, einen prinzipiell guten Modus von Beginn an interessant aufzubauen.

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr wieder eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich seine eignen Inhalte zu erstellen. Ob Wrestler, Arena, Championship, Logo oder Entrance: Alles ist möglich. Und wer zu faul oder untalentiert ist, lässt sich von der Online-Comunity helfen und lädt sich Wrestler, Arena und Co. einfach runter. Der „Create a Superstar“-Modus sieht dabei aus und spielt sich ganz genau wie im Vorjahr. Das muss nichts schlechtes bedeuten, hat er mir doch bereits damals ganz gut gefallen. Allerdings ärgert es mich, dass zwar die Attires, Haare und alles, was ich zum Nachbauen alter Legenden benötige, im Spiel enthalten sind – nur eben die Legenden selber nicht. Apropos Haare: Ich freue mich auf die CurrentGen-Versionen, denn die ewig über und durch den Oberkörper fließende Haarpracht gehörte bereits vor zehn Jahren abgeschafft.

Unsere Wertung

WWE 2K15 spielt sich auf der Playstation 3 identisch mit der 2014er Version. Sie sieht nicht großartig schöner aus, hat das für mich uninteressantere Roster und kann die schon vor einem Jahr auftretenden Fehler nicht ausmerzen. Das verbesserte Covern kann das Spiel daher leider auch nicht retten. Dazu kommen im Vergleich mit 2K14 uninteressante Einzelspielermodi sowie die erwähnten unveränderten Möglichkeiten der WWE-Welt und der Charaktererstellung. All das zu einem Preis von 45 bis 60 Euro, die man lieber in eine Budgetversion von 2K14 und ein paar Weihnachtsgeschenke für die Familie investiert. Wollen wir hoffen, dass die CurrentGen-Versionen die zugegeben stets hohen Erwartungen der Wrestlingfans erfüllen können.
Gameplay
7
Präsentation
5
Umfang
6
6.0
  • Roster in Sachen Aktualität ganz gut
  • gewohntes Gameplay des Vorgängers, welches schon sehr gut war
  • neue Wrestler-Modelle haben grafisch einen Sprung gemacht
  • Welt-Modus mit Rivalitäten aufgepeppt
  • Inszenierung des 2K Showcase gut gemacht
  • NXT als Bestandteil des Spiels
  • in Sachen Modi ein Rückschritt gegenüber WWE 2K14
  • Gameplay-Änderungen der PS4/X1 gar nicht berücksichtigt
  • unerklärliche Streichung von eigenen Einzugsmusiken
  • grafisch auch für PS3/360 Verhältnisse nicht up-to-date
  • nervige Bugs, teilweise sogar aus dem Vorgänger mitgenommen
  • Roster nicht so umfangreich wie gewohnt, vor allem so gut wie keine Legenden
  • repetitive Inszenierung des 2K Showcase
  • "Who Got NXT" ganz nett, allerdings kein Ersatz für MyCareer
  • teils schlecht ausbalancierter Schwierigkeitsgrad
  • bei Einzügen keine lippensynchronen Catchphrases
3. November 2014 - 13:55 Uhr | Daniel E-Mail