
Wir machen eine Reise in die Vergangenheit. THQ war als Publisher für die WWE-Reihe verantwortlich. Jahr für Jahr präsentierte man uns einen Ableger, begonnen noch als WWF SmackDown!, irgendwann gewechselt zu SmackDown! vs. RAW und seit 2011 gab es mit WWE 12 nur noch die Jahreszahl im Spieletitel.
Die Presse war mit den Spielen zumeist zufrieden, letztlich lieferte man ja auch immer ein großes Gesamtpaket mit viel Spielspaß, doch in der Fangemeinde kam schon lange die Diskussion auf, ob und wann man endlich mal die mehr als angestaubte Spiel-Engine generalüberholt. Die Spiele fühlten sich einfach Jahr für Jahr gleich an, bis auf Nuancen gab es selten wirklich grundlegende Änderungen und gerade beim „Motor“, also der Engine, was Grafik, Physik und Gameplay anging, war man schon lange nicht mehr auf Höhe der Zeit.
Der Wechsel zu 2K Sports
THQ sollte es dann nicht mehr lange machen, die Insolvenz ereilte die Firma. Die Zukunft der Spiele stand in den Sternen, doch für so eine große Marke sollte es ja nicht lange dauern bis sich jemand findet, der der Reihe neues Leben einhaucht und die bereits angesprochene Generalüberholung anstrebt. 2K Sports übernahm und präsentierte uns mit WWE 2K14 den ersten Titel unter ihrem Banner. Einen – ohne es respektlos zu meinen – „Klotz am Bein“ übernahm man jedoch: Yukes ist weiterhin mit an der Entwicklung der Spiele beteiligt. Aus verständlichen Gründen, das Spiel befand sich ja bereits bei THQ bzw. Yukes in Entwicklung, waren die Unterschiede wieder nicht allzu groß. Nichtsdestotrotz war WWE 2K14 in Sachen Umfang und auch vom Gameplay her wohl eines der besten Spiele der Reihe – da waren sich Presse und auch der Großteil der Fans einig. Dennoch hatte man natürlich große Hoffnungen in etwaige Nachfolger, gerade mit Erscheinen der PlayStation 4 und Xbox One sollte hier doch endlich mal der nächste Schritt gegangen werden. Man hatte natürlich gerade mit Blick auf die superben NBA 2K14 Versionen für die Xbox One und PlayStation 4 große Hoffnungen, auch WWE bald in dieser realistischen Qualität erleben zu dürfen.
Was erwarten die Fans? Welche Änderungen / Kürzungen akzeptiert man?
Der Tenor in den Foren war schon bei Übernahme von 2K Sports nahezu durchweg positiv. Man war sich einig, dass die Spiele die Generalüberholung nötig haben, notfalls würde man dafür auch auf Inhalte verzichten, wenn man das Spiel neu aufbaut. Verständnis für z.B. kleinere Creation-Modi, weniger Matcharten und einem kleineren Gesamtumfang wurde sofort aufgebracht. Als man hörte, dass 2K Yukes ihr Entwicklerstudio aus der NBA-Serie, als Visual Concepts, an die Seite stellt, wurden die Erwartungen natürlich nochmals erhöht. Bei den ersten Screenshots von u.a. John Cena wurden direkt die schweren Geschütze aufgefahren, die Grafik stellte sich wirklich atemberaubend dar. Doch kann auch das Gameplay hier mithalten? Erfährt das Spiel wirklich die Neuerungen, die es benötigt?
WWE 2K15 für „Current-Gen“ – ist es der nötige Schritt in die Zukunft?
Nun, jetzt ist WWE 2K15 in den USA seit Dienstag, bei uns offiziell seit Freitag auf dem Markt und schon im Vorfeld kamen viele Gerüchte auf, dass hier und dort eingespart wurde. Wie bereits erwähnte, war bei Übernahme der Lizenz durch 2K Sports der Tenor etwa so, dass man Einsparungen akzeptieren würde. Die Gerüchte bewahrheiteten sich, die fertige Version von WWE 2K15 für Xbox One und PlayStation 4 ist in Sachen Umfang gegenüber dem Vorgänger, aber auch gegenüber dem „kleinen Bruder“ auf PlayStation 3 und Xbox 360 in einigen Belangen kastriert worden. Die Creation-Suite beispielsweise hat längst nicht den Umfang und die Modi, die man in der Vergangenheit noch zur Verfügung hatte und auch die Anzahl der Matcharten ist nicht mehr so hoch. Wie lesen sich die Reaktionen darauf in den Foren? Nun, ein Großteil der User ist wirklich erbost und kann nicht verstehen, dass 2K Sports so starke Reduzierungen am Spiel vornimmt. Man muss dazu sagen: zum Teil kommen die „erbosten“ Postings aus derselben Ecke, die dem Entwickler noch „Freiheiten“ gewährte, wenn er ein wirklich neues Spiel liefert. Und genau da liegt das Problem…
Die Kürzungen der „Current-Gen“ Version – akzeptabel?
Lange erfuhren die Spieler wenig über WWE 2K15, die potenziellen Käufer der „Last-Gen“ Version auf Xbox 360 und PlayStation 3 wurden hier sogar noch mehr im Stich gelassen als die Interessenten an der „Current-Gen“ Version. Doch verzeiht es mir, auf die „Last-Gen“ Version möchte ich in diesem Kommentar nicht eingehen. Zur „Current-Gen“ Version wurden u.a. Versprechen gemacht, dass es „alle Matcharten, die auch im WWE-TV stattfinden“, zu spielen gibt. Was sehen wir nun im fertigen Game? Es fehlen u.a. die Leitermatches, die man 1 gegen 1 bestreiten kann, während es mit 6 Mann als „Money in the Bank“ Leitermatch noch drin ist. Das Special Referee Match ist u.a. Teil des „2K Showcase“ – im Exhibition Modus sucht man es vergeblich. Entscheidungen, die man als Spieler nur schwer nachvollziehen kann. Und diese Kürzungen haben auch wenig damit zu tun, dass man das Spiel für die Xbox One und PlayStation 4 von Grund auf neu aufgestellt hat. An der Power kann es jedenfalls nicht liegen, dass z.B. das Leitermatch mit 6 Leuten möglich ist, die Konsole aber mit 2 Leuten im Ring nicht klarkommt. Kurios ist auch, dass es im Universe Modus teilweise dazu kommt, dass die CPU die eigentlich gar nicht mehr vorhandenen Matcharten wie z.B. das Tornado Tag Match bookt. Dort kann man in dem Fall dann sogar die Teilnehmer ändern und das Match selber spielen. Es macht also wirklich keinen Sinn, wieso es im Exhibition fehlt.
Die Creation-Suite wurde mit dem so genannten „Superstar Studio“, wo man den erstellten Charakteren über eine externe Website u.a. Logos und Gesichter als Texturen auflegen kann, stark beworben. Ein wirklich tolles Feature, das muss man den Entwicklern lassen – doch jetzt kommt das große Aber: man kann im Spiel nur noch 25 Wrestler erstellen – auf der Xbox 360 und der PlayStation 3 bekommt man dank 100 Slots die vierfache Menge hin. Doch das ist längst nicht alles, was man dem Spieler in Sachen kreativer Freiheit genommen hat. Konnte man in den Vorgängern noch aus einer Vielzahl von Einzügen von u.a. Superstars der Vergangenheit oder auch komplett anderen Animationen wählen, gibt es in WWE 2K15 nur noch die Animationen des vorhandenen Rosters und nur noch einen generischen Einzug. Neben dem fehlenden Support von MP3 als Einzugsmusik, was man aber weniger 2K als eher Sony und Microsoft anlasten kann, die das erst nach und nach in die Konsolen einbauen, ein weiterer herber Schlag für die Ersteller-Szene. Denn was ist ein erstellter Superstar schon ohne seine typischen Animationen bzw. zumindest passenden Animationen? Auch hier also starke Einschnitte, die es dem Spieler schwer machen, diese im Zusammenhang mit Neuentwicklungen zu akzeptieren. Genauso seltsam wirkt es, dass man die im Spiel vorhandenen Divas komplett editieren kann, die Möglichkeit einer selbst zu erstellenden Frau jedoch vollkommen fehlt.
Ebenfalls gestrichen wurden die Möglichkeiten, eine eigene Arena zu designen und eine eigene Storyline zu erschaffen. Dies verbuche ich jedoch als akzeptabel, wenn diese Features in den kommenden Jahren wieder den Weg ins Spiel finden. Zumindest die Erstellung einer eigenen Arena wird für den Universe Modus natürlich schmerzlich vermisst.
Fazit – was macht 2K Sports neu? Ist WWE 2K15 auf Xbox One und PlayStation 4 der Neustart?
Nun stellt man sich natürlich die Frage: hat 2K Sports den Mund zu voll genommen und wir bekommen auf der „Current-Gen“ eine Mogelpackung serviert? Haben sie sich wirklich von „Altlasten“ getrennt und wagen mit WWE 2K15 einen Neustart? Ich bin da wirklich zwiegespalten.
Die Kürzungen, die 2K vorgenommen hat, wirken einfach nicht rund und stellenweise absolut nicht nachvollziehbar, gerade mit Blick auf die fehlenden Matcharten, die nun wirklich „0815“ waren und in anderer Form (das angesprochene Leitermatch bspw.) im Spiel vorhanden sind. Das kann man einfach so nicht akzeptieren.
In Sachen Grafik hat man vor allem die Superstars dank der Scan-Technologie grafisch stark aufgebohrt und selbst (lt. News) nicht gescannte Wrestler wie CM Punk oder Brock Lesnar sehen ihren realen Abbildern wirklich sehr, sehr ähnlich. Dass es hier jedoch auch zu so Griffen ins Klo wie z.B. Vince McMahon kommt oder dass vor allem die Retro-Modelle aus dem 2K Showcase wie z.B. Triple H aus 2002 oftmals wirklich misslungen sind, lässt sich leider nicht bestreiten. Also auch hier besteht noch viel Luft nach oben.
Die neuen Lichteffekte werten das Spiel grafisch unheimlich auf, keine Frage. Nichtsdestotrotz sieht „auch jeder Blinde“, dass man bei den Arenen etc. immer noch auf die altbewährte Technik setzt. Die Umgebung wirkt unheimlich steril und es scheint wirklich so als hätte man „nur“ die Wrestler gescannt, die Lichteffekte überarbeitet und dem Spiel dank der neuen Konsolen etwas mehr Power verliehen, was z.B. ein komplettes 3D-Publikum angeht, welches nicht zum Großteil aus Klonen besteht, aber das „wirkliche“ Drumherum etwas vernachlässigt. Wenn ich sehe, wie lebendig z.B. die NBA 2K Spiele auf der PlayStation 4 und Xbox One wirken und dann WWE 2K daneben lege, muss hier noch einiges nachgebessert werden.
Damit kommen wir auch gleich zur Engine des Spiels. Machen wir uns nichts vor, auch in der „Current-Gen“ Version schlummert immer noch der alte Yukes-„Motor“. Da helfen auch kein „Chain-Wrestling“ zu Beginn eines Matches oder diverse neue Animationen bei Moves oder Erschöpfung der Superstars. Die Änderungen sind zwar durchaus sinnvoll, ich möchte sie gar nicht klein reden, denn sie bringen wirklich einige Änderungen mit sich, aber es ist eben doch noch nicht das Gelbe vom Ei, was ich mir erhofft hatte. In den ganzen Animationen schlummern noch sehr viele Kinderkrankheiten, die man gefühlt aus PlayStation 1 Zeiten noch mit sich schleift. Hier habe ich persönlich einfach größere Hoffnungen in 2K Sports und Visual Concepts gelegt. Doch Yukes scheint, wie anfangs bereits geschrieben, mit ihrer Engine noch irgendwie ein „Klotz am Bein“ zu sein. Ich möchte hier auch gar nicht Yukes alleine den schwarzen Peter zuschieben, WWE wird genug Druck ausüben, da man Jahr für Jahr einen Titel auf den Markt haben möchte, aber in der Form tut man sich derzeit keinen Gefallen.
Das klingt nun harscher als es ist, denn ich halte WWE 2K15 für ein im Ring sehr gutes Spiel. Man darf aber die Augen nicht davor verschließen, dass auch in der „Current-Gen“ Version nicht nachvollziehbare Kürzungen stattgefunden haben, die sich mit dem vorherigen Marketing beißen, und zudem das Grundgerüst, und das wird niemand bestreiten können, noch immer nicht die Generalüberholung erfahren hat, die die Reihe schon lange nötig hat. Wollen wir hoffen, dass man sich der Kritik annimmt und im kommenden Jahr ein Spiel präsentiert, welches wirklich das Prädikat „Fortschritt“ verdient. Das „Chain-Wrestling“ und das „neue“ Gameplay mit dem Fokus auf Ausdauer und entsprechenden Animationen ist ein Weg in die richtige Richtung – dem Grundgerüst bedarf es jedoch noch einiger Tweaks bis man wirklich davon sprechen kann, das Spiel technisch auf Augenhöhe mit anderen „Current-Gen“ Spielen zu sehen.
Ein ausführliches Review von uns ist in Arbeit und wird so schnell wie möglich online gehen!
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