
Nachdem THQ WWE 2K14 so gut wie fertiggestellt hatte, kam die Pleite und die WWE-Lizenz ging an 2K. Mit voller Erwartung und Euphorie begegnete die Community dem erfahrenen Publisher, der mit WWE 2K14 zwar nicht mehr viel Vorhandenes abändern konnte, jedoch wahrlich ein tolles Spiel auf den Markt brachte. Mit der Ankündigung zu WWE 2K15 wurde klar, dass die Masterminds hinter NBA 2K14/2K15, Visual Concepts mit an Bord sind. Man durfte also gespannt sein, was WWE 2K15 auf den damals noch Next-Gen-Konsolen, zumindest grafisch zu bieten hat. In diesem Zusammenhang wurde aber auch klar, dass Yukes als Entwickler weiterhin hinter der Wrestlingmarke steckt. Mit freundlicher Unterstützung von 2K haben wir eine Presseversion des PS4-Spiels am Releasetag erhalten und nun kann ich Euch somit nun auch meinen Eindruck des Spiels wiedergeben.
Overall
Zunächst fällt direkt auf, dass sich das Menü komplett verändert hat. Man orientiert sich nun an den bekannten Kacheln aus der Windows-8-Welt, oder auch aus den aktuellen EA-Sports-Titeln. Man muss also genau hinschauen, um sich in den Menüs zurechtzufinden. Sucht man z.B. ein Tag-Team-Match wird man nicht fündig werden, sofern man den Begriff "Tag-Team" oder "2vs2" sucht. In diesem Fall muss man in den Menüpunkt "4-Man" gehen, denn hier befinden sich die Matches, in denen 4 Leute beteiligt sind. Also ist hier auch z.B. das Fatal-4-Way-Match zu finden. Etwas ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig. Wenn man sich etwas eingearbeitet hat, kommt man sicherlich auch mit dieser Menüführung zurecht. Unterteilt ist das Ganze dann in den unterschiedlichen Spielmodi, Creations, Optionen und den Mitwirkenden. Der von John Cena auserwählte und mit beigesteuerte Soundtrack klingt frisch und abwechslungsreich. Mit der aus dem letzten Jahr oder aus NBA 2K bekannten Jukebox ist es möglich, sich die Songs nach Belieben zusammenzustellen. Die Ladezeiten bis zum Hauptmenü halten sich auch in Grenzen und die Navigation reagiert flott.
Spielmodi
Bei dem Punkt Spielmodi begegnen sich nun schon Licht und Schatten. 2K kündigte exklusiv für die Current-Gen-Fassungen den MyCareer Modus an. Einige sehen sicherlich auch hier Parallelen zum NBA-Franchise, denn auch dort wurde bereits mit NBA 2K14 ein exklusiver Karrieremodus auf der PS4 und Xbox One eingeführt. Die Last-Gen-Fassung bekam dafür den "Who Got NXT" Modus, wir berichteten. In diesem Modus erlebt man die Karriere eines aufstrebenden Wrestlers, den wir mit Hilfe des neuen CAW-Tools zusammenbauen oder aus den Community-Creations herunterladen dürfen. Zu den Creations aber mehr im späteren Verlauf. Man startet also im WWE Performance Center und muss sich unter der Anweisung von Headcoach Bill DeMott einen Platz im Roster von NXT verdienen. Dort wartet der GM William Regal, der einem bei guter Leistung einen Push zum NXT Titel geben möchte. Den eigenen Charakter kann man mit Hilfe von verdienten Skillpunkten und der Virtual Currency aufleveln. Ebenfalls können mit der Virtual Currency weitere Moves dazu gekauft werden. Man hat also viele Anpassungsmöglichkeiten, auch äußerlich. Denn möchte man z.B. dem Wrestler einen Vollbart verpassen, wäre dies kein Problem im Laufe der Karriere. Schade hingegen sind fehlende Interaktionen, wie Promos oder Zwischensequenzen. In den ersten Jahren wird Match an Match gereiht. Man erhält lediglich ein paar Kommentare / Tweets der Verantwortlichen und der Akteure. Der MyCareer Mode ist sicherlich das Herzstück des Spiels, da dieser laut 2K locker 9-13 Jahre verlaufen kann, man die Gesinnung seines Schützlings verändern und sogar irgendwann einen Manager einstellen darf. Das Ziel: Wrestlemania und danach die Hall of Fame.
Zudem sind altbekannte Spielmodi wie der Universe Mode, das Goldrush- und King of the Ring Turnier zurück. Es gesellt sich aber dann auch noch ein weiterer neuer Modus hinzu. Der 2K Showcase, der in der Release-Fassung zwei Fehden bietet, die wir nachspielen können. CM Punk vs. John Cena und Triple H vs. Shawn Michaels. Zudem wurde bereits angekündigt, dass 2K uns weiter mit DLCs versorgen wird, wo auch bereits weitere Fehden angekündigt wurden. Geschmückt ist das Ganze mit erstklassigen Videos, Promos und dem bekannten Zeitachsenmenü, wie wir es aus dem "30 Years of Wrestlemania" Modus aus WWE 2K14 noch kennen. Und hier wäre dann auch schon eine weitere Parallele. Der 2K Showcase Modus spielt sich genau wie der 30-Years-Modus, denn es müssen Ziele erfüllt werden, die dazu führen, Dinge freizuschalten. Zudem laufen in den Matches die Schlüsselmomente als Zwischensequenz ab, was z.B. direkt beim ersten Match zwischen John Cena und CM Punk bei Money In The Bank 2011 klar wird.
Die Turniere haben sich hingegen nicht verändert und auch der Universe Mode bietet nicht viel Neues. Jedoch ist es nun möglich, Storys für Fehden zu erspielen. So werden die Ansetzungen zwischen zwei Rivalen interessanter und man bekommt nicht jede Woche in den Wochenshows ein TLC, Hell in a Cell oder Extreme-Rules-Match serviert. Es werden nun auch andere Kontrahenten mit einbezogen und die dicken Matches spart man sich dann doch für eine RAW-Ausgabe oder eben den PPV, so wie es eben im TV auch zu sehen wäre.
Nun aber auch zur Schattenseite der Spielmodi. Sucht man ein 1vs1-Ladder-Match oder ein Handicap Match, wird man leider nicht fündig. Warum auch immer wurden diese Matches gestrichen. Sehr fraglich, weil man ja z.B. ein 6-Man-Ladder-Match spielen kann. Warum dann also kein normales 1vs1-Ladder-Match? Dazu muss man dann zum TLC Match greifen, wenn man so den Workaround sucht. Möchte man aber ein Triple-Threat-TLC-Match spielen, ebenfalls Fehlanzeige. Man munkelt zwar aktuell, dass es was mit der Performance und der Qualität des Spiel zu tun haben könnte aber wer ein MITB / 6-Man-Ladder-Match auf die Beine stellen kann, der kann auch ein 1vs1-Ladder-Match bereitstellen.
Gameplay, Grafik und Sound
Ein sehr wichtiger Faktor ist natürlich das Gameplay und das hat sich dieses Jahr und auch im Vergleich zur Last-Gen-Fassung des Spiels erheblich verändert. Man geht nun mehr in Richtung Simulation und lässt dem Spieler die Möglichkeit ein Match nun mit Chain-Wrestling zu starten. Nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip können zu Beginn des Matches verschiedene Varianten für einen Lock-Up ausgewählt werden, sei es z.B. ein Headlock oder Wristlock. Ist man in diesem Modus angekommen, muss mit dem rechten Stick der richtige Punkt per kreisender Bewegung gefunden werden. Hat man diesen Punkt erreicht, füllt sich der Balken und man kommt somit in die nächste Position. Gewonnen hat das Duell derjenige, der einfach schneller den Punkt findet und somit den Balken füllt. Sofort merkt man auch, dass sich die Wrestler langsamer bewegen und auch die Aktionen langsamer ausgeführt werden. Der Ansatz in Richtung Simulation zu gehen dürfte somit viele Fans erfreuen, denn man wünscht sich in der Community schon seit Jahren einen neuen Motor unter der Haube und mit WWE 2K15 scheint man einen Anfang zu wagen. Ebenfalls greift nun auch eine Gewichtserkennung, denn so ist es nicht mehr möglich, dass ein Rey Mysterio direkt zu Beginn des Matches einen Big Show bodyslamt. Auch startet man erst mit weniger kraftvollen Aktionen und muss sich sozusagen im Match erst weitere Stufen erarbeiten. Moves und Aktionen, die viel Platz benötigen, werden nach dem Ansetzen des Moves auch vom Wrestler entsprechend vorbereitet. Man sieht also nicht mehr einen Backbreaker, wo der Gegner durch die Seile teleportiert wird. In diesem Fall würde man den Gegner in die Ringmitte bringen und dort den Move ausführen. Genau so wird es nun in WWE 2K15 gemacht. Ebenfalls wurde die Physikengine verbessert. Schlägt man seinen Gegner zu Boden und dieser würde sich überschlagen und in den Seilen landen, würde z.B. auch sein Fuß auf dem untersten Seil liegen bleiben.
Das Konterverhalten ist erneut verändert worden. So hatte man im letzten Jahr den Eindruck, dass 2K14 etwas mehr Tempo verlangt hat, so ist es in diesem Jahr eher das Gegenteil. Die Eingabe einiger Tasten, darunter auch das Kontern, scheint sehr träge übertragen zu werden. Ich hatte teilweise in den Matches das Gefühl die Kontrolle aus der Hand zu geben, was natürlich nicht sonderlich positiv ist. Das Auskicken aus einem Pin wurde ebenfalls etwas erschwert, denn der Kickout-Balken wird relativ früh im Match klein. Wahrscheinlich liegt das aber auch an der zu dem Zeitpunkt aktuellen Kondition des Wrestlers.
Hier wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Die Kondition, denn diese hat in diesem Teil bisher so viel Einfluss, wie noch nie zuvor. Rennt man ununterbrochen hin und her und spielt sehr flott, ist man auch schnell aus der Puste. Vorsicht ist also geboten, denn die Moves, die dann mit entsprechend weniger Kondition ausgeführt werden, haben nicht so viel Auswirkung und der eigene Athlet geht meist danach selbst zu Boden, um sich wieder zu erholen. Hiermit wurde auch ein neuer Pin eingeführt. Man kann sich bei relativ geringer Kondition zum Gegner "robben" und einen Arm noch auf die Brust legen um den Pin auszuführen. Eine wirklich tolle Neuerung, die Matches näher an das TV-Feeling kommen lässt.
Die Grafik hat sich mit dem Current-Gen-Debut auch verbessert und das wurde schon seit dem ersten Screenshot ersichtlich, wo man John Cena sehen konnte. Da hat man sich ja schon gefragt, ob das jetzt echt oder ein Fake ist. Visual Concepts haben hier Dank Ihrer Scan-Technologie, die sie ja auch bei NBA 2K erfolgreich einsetzen, wirklich tolle Arbeit geleistet. Leute wie eben der Coverstar, John Cena oder auch Randy Orton sind fantastisch getroffen. Diese beiden Wrestler wurden auch direkt vorgestellt und auch Triple H war dann im ersten Trailer zu sehen, der vielleicht sogar das schönste Modell im Spiel hat. 2K hat für die Motion-Capture-Aufnahmen sogar einen originalen Ring zur Verfügung gestellt bekommen, was man auch u.a. von der Ringgröße nun im Spiel merkt. Dazu wurden viele Moves neu aufgenommen, die nun realistischer aussehen. Die Lichteffekte sind ebenfalls wirklich toll und die Arena im Match wirkt heller und realistischer. Die Fans wurden ebenfalls verbessert, denn diese sind nun nicht mehr die Klone, die nur 1-2 Bewegungen kannten und alle 2-3 Leute das gleiche Shirt anhatten. Nun ist viel Abwechslung geboten. Daniel Bryan stimmt den YES-Chant ein und alle machen freudig mit. Auch am Merchandie Stand war für jeden was dabei. Zudem wurden die Mattengeräusche wieder verbessert und generell wirkt der Sound realistischer. Die Crowd äußert zudem auch lautstark, ob Sie ein Match interessant oder "boring" findet. Man hat also in der Hand, wie ein Match beim Publikum ankommt. Der Kommentar hingegen hat meine Erwartungen gar nicht erfüllt. Da wurde noch groß angepriesen, dass man nun Jerry Lawler und Michael Cole zusammen kommentieren lässt (was bisher wohl nie der Fall war) und dann nimmt man nach zig Stunden im Spiel nur 2-3 neue Sätze war. Das kann es nicht sein.
Nun zu den Negativpunkten der Grafik. Wenn doch schon die Scan-Technologie eingesetzt wurde, warum sehen die Wrestler trotzdem qualitativ so unterschiedlich aus? Bei dem ein oder anderen war es klar, dass er nicht gescannt wurde. CM Punk ist kein Teil der WWE mehr und Brock Lesnar wollte oder konnte nicht. Aber der Boss himself, Vince McMahon sieht wirklich schrecklich aus. Das Wachsfigurenkabinett lässt grüßen. Auch Bray Wyatt ist zwar OK aber hätte wesentlich besser getroffen werden können. Die Titel wirken zudem alle sehr matt aber bei Lichteinfall extrem glänzend. Die Titel sehen nicht nach Gold aus. Gerade beim Intercontinental- oder World Heavyweight Championship fällt das besonders auf. Meiner Meinung nach eher eine Verschlechterung, als eine Verbesserung auf der Current-Gen. Von daher ist es unverständlich, warum man hier nicht wie eben in NBA 2K das best-mögliche Potential ausschöpft. Immerhin wurde das Spiel sogar noch verschoben und kam gute drei Wochen später als die Last-Gen-Version heraus.
Onlinemodi und Creations
Entgegen der bisherigen Art und Weise fange ich hier mal mit den negativen Dingen an, denn diese haben es wirklich in sich. Dass Matcharten einfach so gestrichen werden, ist das eine, aber warum streicht man die generischen Einzüge? Es ist nun also nicht mehr möglich aus den vorhandenen Einzügen zu wählen. Also kein Kurt Angle, Chris Masters oder Chavo Guerrero mehr. Ok, vielleicht möchte das die WWE nicht mehr aber es ist umso unverständlicher, warum man so etwas streicht, wenn man im Gegenzug aber ein neues Feature vorstellt, was wegweisend sein könnte: Das Superstar-Studio. Mehr dazu gleich. Durch den bis dato fehlenden Support für MP3-Dateien von Sony und Microsoft ist es auch hier nicht möglich, Custom-Themes in das Spiel zu importieren. Übrigens geht das auf der PS3 und Xbox 360 Version des Spiels auch nicht mehr, wo eben für mich das Argument des fehlenden Supports der Current-Gen-Konsolen nichtig ist. Superstar-Threads und Superstar-Heads wurden ebenfalls gestrichen. Spätestens jetzt würde man sicherlich denken: Ok - das war es für mich - nie wieder eigene Ligen für den Universe Mode aufbauen. Aber ein Trostpflaster gibt es und das wäre das eben angesprochene Superstar Studio. Hier ist es endlich möglich aus allen Superstars und Diven auszuwählen und diese zu bearbeiten. Dabei kann man nun also auch wieder die Attires einfärben (Achtung - Das Facepaint nicht) und die Superstar-Heads wären somit nun auch hinfällig. Den Kopf kann man nur bedingt bearbeiten, denn so kann man z.B. Damian Sandow eine Sonnenbrille für den Entrance aufsetzen und Ihm das Attire von The Miz geben. Somit hätte man einen aktuellen Damien Mizdow. Ein wirklich tolles Feature, was einem auch erlaubt, aus dem Community Creations sich zu bedienen und Dinge zur Verfügung zu stellen, denn ein weiteres neues Feature ist der Logo-Import. Es besteht nun die Möglichkeit Logos in das Spiel zu laden (über eine offizielle Website von 2K) und diese dann über die Community-Creations auf seine Wunschebene zu platzieren. Somit ist ein aktueller Dean Ambrose, Seth Rollins oder Dolph Ziggler problemlos erstellbar. Vorteil: Man muss nichts mehr "morphen", da ja das Modell des Wrestlers übernommen wird und nicht nur der Kopf. Schade ist in dem Zusammenhang nur, dass durch den fehlenden Custom-Theme-Import, sowie die generischen Entrances, einiges an Flair eines erstellten / aktuellen Stars verloren geht. Die Server scheinen aber sehr stabil zu laufen. Verbindungsabbrüche konnte ich keine feststellen und auch die Vorschau ist schneller denn je.
Langzeitfaktor
Durch den MyCareer Mode, den Showcases, sowie dem Universe Mode ist der Langzeitfaktor ganz klar gegeben. 2K kündigte bereits weitere Fehden an, unter anderem mit Mark Henry, Christian und dem Ultimate Warrior. Gerade beim Letzteren kommen Legenden wie Rick Rude, der Hony Tonk Man oder auch der Macho "King" hinzu. Eine gesunde Mischung wird also auch hier wieder geboten sein. Man wird mit dem Spiel sicherlich einige Monate verbringen können und laut 2K soll sich sogar der MyCareer Mode öfters unterschiedlich verhalten. Also, ein ganz klares "Ja" - absolute Langzeitmotivation.
Unsere Wertung
- Gameplay
- 8
- Präsentation
- 8
- Umfang
- 7
- Verbesserte Grafik
- Neue Gameplay-Elemente
- Simulationslastiger
- MyCareer Mode
- 2K Showcase Mode
- Superstar Studio
- Viele Creation-Modi gestrichen
- Fehlende Matcharten
- Diverse Matcharten und Ringsprecher nur im Showcase Mode
- Für Einsteiger deutlich schwerer als zuvor
- Teurer DLC
- Bugs, die z.B. dazu führen, dass der Showcase und Welt Modus zurückgesetzt wird
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