
Nach zwei eher enttäuschenden Xbox-WWE-Titeln mussten WWE-Fans im Jahr 2004 in die Röhre schauen, doch am 18. April wurde nun endlich ein neues WWE-Spiel für Microsofts Xbox auf den Markt gebracht! Doch Einiges hat sich geändert: Anchor ist nicht mehr der Entwickler, sondern Studio Gigante, die mit dem Beat-em-up „Tao Feng“ bereits erste Xbox-Erfahrungen sammeln konnten. Auch der Name hat sich geändert, denn das Spiel trägt nicht den Titel „RAW 3“, sondern den des WWE-Events des Jahres, WrestleMania 21! Das Spiel hat passend dazu auch nichts mehr mit der RAW-Serie gemeinsam, da Studio Gigante wirklich von Null angefangen hat!
Gameplay
Nachdem man in RAW 2 ein im Vergleich zu den anderen Games relativ schlechtes Kontersystem hatte, hat Studio Gigante hier bessere Arbeit geleistet. Zum Kontern werden die beiden Schultertasten benutzt, „L“ kontert Grapple-Moves, während mit „R“ Schläge gekontert werden. Aber hier wurde eine Neuerung eingebaut, nämlich das Pro-Reversal-System. So ist es nicht nur möglich, einen Grapple-Move vor dem Ansatz zu kontern, sondern auch mitten im Move gibt es einen Punkt, an dem man den Move auskontern kann. Auf diese Weise kann jeder Move im Spiel gekontert werden.
Auch die Anzahl der Moves pro Wrestler wurden durch das neue Grapple-System erhöht. So hat man einen Weak-Grapple („A“ drücken), einen Strong-Grapple („A“ halten), einen Signature-Grapple („B“ drücken) und einen Submission-Grapple („B“ halten) - jedem dieser Grapples können vier Moves zugewiesen werden.
Leider wirkt das Grapple-System nicht ganz perfekt, denn viel zu oft kommt es vor, dass man die Grapple-Taste drückt und nichts passiert. Im Allgemeinen ist auch die Kollisionsabfrage nicht wirklich gut gelungen. So kann es schon einmal passieren, dass bei einem „Turnbuckle 10 Punch“ das Seil am Arm des ausführenden Wrestlers hängen bleibt, was sehr merkwürdig aussieht.
Wie schon bei SmackDown! vs. RAW zu sehen war, gibt es auch in Wrestlemania 21 die originale TV-Perspektive, die man aber auch auf die klassische Ansicht, in der die Kamera in Richtung der Rampe zeigt, umstellen kann.
Ein Rückschritt wurde jedoch bei der Anzahl der Wrestler gemacht, denn während es bei RAW 2 noch sechs Wrestler plus ein Referee waren, sind nun lediglich vier Wrestler und ein Referee mit von der Partie. Genau wie in den WWE-Ablegern auf den anderen Konsolen gibt es für Xbox-Fans nun auch endlich körperspezifische Schadenszonen und Blut.
Einen Punkt, der in RAW 2 auch schon eine große Schwäche war, konnte leider auch Studio Gigante nicht verbessern: Die künstliche Intelligenz. So sind Fatal-4-Way-Matches keine Herausforderung, da der CPU die Pins nichtmal unterbindet; in Table Matches wird man manchmal jede Sekunde auf den Tisch geworfen oder man wird andauernd in Submissions genommen, ähnlich wie das bei RAW 2 mit den Covers der Fall war. Leider enthält das Spiel auch einige Fehler. So machen die Ringseile manchmal recht unrealistische Bewegungen oder der Referee verhält sich eigenartig. In einem Fatal-4-Way-Match wurde beispielsweise Booker T zum Sieger erklärt, nachdem er sich bei „2“ aus einem Cover befreien konnte und anschließend ein anderer Wrestler ein Cover ansetzte. Außerdem kann es gelegentlich passieren, dass das Spiel einfach hängenbleibt und man die Xbox zurücksetzen muss.
Matches
Studio Gigante hat sich wirklich ins Zeug gelegt, um möglichst viele Matcharten ins Spiel zu integrieren. Leider merkt man aber auch, dass die Matches nicht alle so umgesetzt worden sind, wie sie seien sollten. So gibt es zwar TLC-Matches, jedoch kann man nicht von der Leiter springen und die einzigen Moves, die man auf der Leiter ausführen kann, sind ein Superplex und ein Faustschlag. Durch den Tisch kann man lediglich einen Piledriver oder einen Top-Rope-Move ausführen. Unverständlicherweise lassen sich die Special-Matches (Table,Ladder,TLC,HIAC) nur 1-vs.-1 spielen, obwohl in der Season z.b. ein Vier-Mann-HIAC-Match stattfindet.
Im Cage- und HIAC-Match kann man den Gegner aber glücklicherweise gegen den Käfig hämmern, wenn man nah an ihm steht!
Roster
SmackDown! vs. RAW und Day of Reckoning waren in diesem Punkt schon eher enttäuschend und WM 21 macht hier auch keine Ausnahme.
La Resistance dürfen weiter auf ihren ersten Videogame-Auftritt warten, genau wie Gene Snitzky, Luther Reigns, Carlito und viele mehr. Immerhin hat es Eugene ins Spiel geschafft! Allerdings gibt es als kleines Trostpflaster noch ein paar Legenden zum Freispielen, nämlich Bret Hart, Mankind, The Rock, Jimmy Snuka und Andre the Giant! Ebenfalls freispielbar ist Big Show ohne Glatze und Rey Mysterio in seinem goldenen Outfit. Diesmal hat man sich aber bei den Legenden mehr Mühe gegeben und die Originalthemes und -titantrons mit eingebaut.
Season
Nach dem eher schwachen Season-Mode aus RAW 2 trumpft WrestleMania 21 mit einem Mix aus den Season-Modi von SmackDown! vs. RAW und Day of Reckoning auf.
Es wurde die Idee von Day of Reckoning übernommen, einen selbsterstellten Superstar von ganz unten nach ganz oben zu führen, leider aber auch die Linearität, sodass man den Season-Mode nach dem ersten Mal eigentlich nicht nochmal spielen muss, da sich alles wiederholt. Wie in SmackDown! vs. RAW wurden Voice Overs verwendet, die nun aber um Längen besser klingen! Auch der eigene Superstar redet jetzt, jedoch wäre es schön gewesen, verschiedene Stimmen für ihn auswählen zu können. Durch das verwendete Motion-Capturing sehen die Cutscenes richtig super aus und wirken sehr real! Hauptkritikpunkt am Season-Mode ist also die Linearität, aber auch die Kürze, denn nach ca. fünf Stunden sollte man ihn bereits durchgespielt haben.
CAW- und Create-a-Championship-Modus
Der "Create a Wrestler"-Modus ist leider im Vergleich zu den anderen Games sehr eingeschränkt und vorallem durch die Menüs sehr schwer zu bedienen. T-Shirts und alle anderen Sachen sieht man erst dann, wenn man sie angewählt hat. Eigene Logos kann man nicht erstellen und Logos frei auf dem Wrestler zu platzieren, ist auch nicht möglich. Dafür sehen die CAWs im Vergleich mit den richtigen Superstars ziemlich gut aus. Das einzige bemerkenswerte Feature ist die schon aus RAW 2 bekannte Möglichkeit, Musiken von der Festplatte als Einzugsmusiken zu verwenden. Leider sind die vorhandenen Superstars in keinster Weise editierbar, sodass man weder ihre Kleidung noch ihre Musiken und auch nicht die Moves verändern kann. Gerade Letzteres wäre schön gewesen, da manche Wrestler Moves zugewiesen bekommen haben, die nicht zu ihnen passen, wie beispielsweise JBL, der einen Alabama Slam als zweiten Special-Move besitzt.
Der "Create a Championship"-Modus bietet die Möglichkeit, eigene Titel zu erstellen. Hier hat man sich glücklicherweise nicht an SmackDown! vs. RAW orientiert und dem Spieler nun ermöglicht, Gürtel kostenlos zu erstellen - lediglich einige Teile müssen freigeschaltet werden. Man wählt also eine Center-Plate, für beide Seiten jeweils zwei Side-Plates und eine Gürtelfarbe und fertig ist das gute Stück. Den Titel kann man dann im Exhibition-Modus oder per Xbox LIVE online aufs Spiel setzen und ihn durch Titelverteidigungen wertvoller machen! Nur leider wird er nie einem Wrestler zugewiesen, sondern nur dem erstellten Spielprofil.
Multiplayer-Features
Groß angekündigt wurde der Xbox-LIVE-Support, den wir jedoch mit unserer US-Version des Spiels leider nicht antesten konnten.
Offline könnt ihr natürlich mit bis zu vier Spielern weiterhin in allen Spielmodi bis auf den Season-Mode gegen- oder miteinander antreten.
Wenn sich eure Freunde ebenfalls ein Spielerprofil anlegen, könnt ihr euch spannende Duelle um eure erstellten Titel liefern!
Grafik
Grafisch bekommt man bei WrestleMania 21 erwartungsgemäß Einiges geboten! Die Arenen sehen super aus und das Publikum ist wahrscheinlich das beste, das es bisher in einem Wrestlingspiel gab!
Bei den Superstars gibt es zwar mehr Polygone als in den anderen Games, jedoch sehen nicht alle Superstars ihren Vorbildern so ähnlich, wie man es sonst gewohnt ist. John Cena ist beispielsweise bei SmackDown! vs. RAW besser gelungen als bei WrestleMania 21.
Leider hat Studio Gigante es nicht geschafft, kleine Details wie z.B. die Lichter in den Entrances einzubauen, sodass zwar Kane und The Hurricane ihre rote bzw. grüne Beleuchtung haben, Triple H jedoch lediglich das Spot-Light und nicht die wechselnden Farben.
Der grafische Gesamteindruck wird außerdem noch durch die schwachen Pyro-Effekte getrübt, die in etwa mit denen aus Wrestlemania XIX auf dem Gamecube verglichen werden können.
Woran es noch fehlt, sind Moveanimationen: Ein Großteil der Moves ist nicht wrestlerspezifisch, sodass Batista z.B. nur einen Standard-Spinebuster hat, den auch das halbe Roster beherrscht.
Durch das verwendete Motion-Capturing konnte man zwar die generellen Moves recht gut in Szene setzen, jedoch wirken die Signature- und Finishing-Moves nicht wirklich so, als würden sie von den realen Wrestlern ausgeführt werden. Vielleicht sollte man in Zukunft die Wrestler alle mal kurz in den Motion-Capturing-Anzug stecken, damit die Moves auch wirklich passen. Bei den Entrances merkt man dies auch, denn Shawn Michaels beispielsweise macht seinen In-Ring-Taunt falsch herum.
Generell sehen die Animationen eigentlich ganz gut aus, besonders die Cut-Scenes, jedoch gibt es einige Moves, die einfach nicht richtig rüberkommen. Gerade bei den Finishing-Moves wirkt es oft so, als ob sie nicht richtig wehtun würden. Das Spiel läuft soweit in flüssiger Framerate, lediglich bei den Replays nach dem Match kommt es zu teilweise sehr heftigen Rucklern.
Sound
Was die Themes angeht, wurde dieses mal gute Arbeit geleistet. Sogut wie alle Superstars haben ihr richtiges Theme, lediglich Stacy Keibler muss wieder mit einer Instrumental-Version ihres Kid-Rock-Themes und John Cena mit seinem alten Theme auskommen. Leider wurden in den Entrances die Themes bearbeitet, sodass Randy Ortons Theme sich in seinem Entrance dauernd wiederholt oder z.B. bei Christian und Rey Mysterio der Anfang des Themes fehlt.
Wie in den anderen WWE-Games gibt es wieder lizensierte Musikstücke von bekannten Bands. Der Soundtrack gleicht größtenteils dem aus SmackDown! vs. RAW, jedoch wurden einige Songs hinzugefügt. Trotzdem muss man hier klar sagen, dass der Soundtrack den Kennern der beiden Gamecube- und PS2-Spiele wohl ziemlich schnell zum Hals raushängen wird. Die Voice-Overs der Season habe ich schon angesprochen und sind meiner Meinung nach wirklich gelungen. Nur eins muss ich noch erwähnen: Man wollte Triple H wohl unbedingt in die Story einbauen, jedoch schien dieser keine Lust auf Voice-Overs zu haben, sodass in der Season immer die anderen Mitglieder der Evolution für ihn reden, was sehr merkwürdigt wirkt, da er ja der Anführer dieser Gruppierung ist.
Auch an Kommentar hat man gedacht und je nach gewählter Arena kommentieren Michael Cole und Tazz bzw. Jim Ross und Jerry Lawler die Action im Ring. Dabei wurde der Kommentar größtenteils von SmackDown! vs. RAW übernommen und mit einigen Sätzen erweitert, allerdings ist der Kommentar leider noch eine Ecke schlechter als der in SmackDown! vs. RAW, denn es kommt zu oft vor, dass bei einem Signature-Grapple "Here comes the finisher!" geschrien wird. Besonders im Season-Mode trägt der Kommentar jedoch sehr zum Realismus bei, da dort über die aktuellen Geschehnisse der Story gesprochen wird.
Fazit
Ist Wrestlemania 21 der neue „King of the Ring“ auf der Xbox? Eine Frage, die man nicht eindeutig beantworten kann. Während das Spiel grafisch und soundtechnisch RAW 2 locker in die Tasche steckt, muss man bei Gameplay und Umfang genauer überlegen. Die künstliche Intelligenz ist in etwa genauso schlecht, wenn nicht sogar noch schlechter, Bugs kommen im Game auch des Öfteren vor. Das Grapple- und Kontersystem bietet zwar mehr Möglichkeiten als das aus RAW 2, die Kollisionsabfrage lässt aber auch diesmal zu wünschen übrig. Ebenfalls sehr schade ist, dass sich die Special-Matches nur 1-vs.-1 spielen lassen, was besonders dem Multiplayer-Aspekt des Spiels enorm schadet. Zum Xbox-LIVE-Support kann ich leider nicht viel sagen, da ich kein Xbox-LIVE habe und es mit meiner US-Version sowieso nicht nutzen könnte. Abschließend würde ich jedem raten, das Spiel vor dem Kauf erstmal Probe zu spielen. Vielleicht ist man nämlich mit RAW 2 besser bedient.
Unsere Wertung
- Gameplay
- 7
- Präsentation
- 9
- Umfang
- 7
- Hervorragende Grafik
- Motion-Capturing
- Xbox-Live-Support
- Bugs / Abstürze
- Motion-Capturing
- Schlechte KI
- Linearer Season-Mode
- 1780 Aufrufe